Publikation

Demonstrationsbefragungen. Grenzen und Potenziale einer Forschungsmethode

Simon Teune und Peter Ullrich

2015

Anderes

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  • Deutschland
  • Forschungsmethoden
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Seit Anfang der 1990er Jahre gehören Befragungen von Demonstrierenden zum methodologischen Repertoire der sozialwissenschaftlichen Protest- und Bewegungsforschung. Sie erhalten ihren besonderen Charakter dadurch, dass sie Momentaufnahmen in einem aktuellen Konflikt sind. Die Aussagen der Befragten erlauben die analytische Verbindung von Einstellungen und soziodemografischem Profil der Beteiligten mit einer konkreten gesellschaftlichen Auseinandersetzung. Das ist ein großer Vorteil gegenüber der Nutzung repräsentativer Bevölkerungsbefragungen in der Protestforschung. In ihnen wird zwar erhoben, welche Formen der Partizipation die Befragten nutzen, aber der Kontext, in dem das geschieht, bleibt offen. Ob sich das Engagement gegen die Unterbringung von Asylsuchenden oder gegen europäische Austeritätspolitik richtet, macht aber für das Verständnis von Protest einen gravierenden Unterschied. Die Befragung ‚im Handgemenge‘ ist allerdings auch mit Ambivalenzen und Nachteilen verbunden, die zu Beginn des Jahres besonders deutlich sichtbar wurden, als gleich mehrere Teams die Dresdener Pegida-Demonstrationen unter die Lupe nahmen.

Wie schon bei den “Montagsmahnwachen für den Frieden” im Sommer 2014 haben die Befragungen deutlich vor Augen geführt, dass die Methode der Demonstrationsbefragung bei bestimmten Bewegungstypen vor einigen Herausforderungen steht. Dies gilt insbesondere für rechte oder zu den überkommenen politischen Lagern quer liegende Bewegungen “postdemokratischer Empörung” (Ullrich 2015, vgl. a. Décieux/Nachtwey 2014). Wissenschaftler_innen der Initiative für Protest- und Bewegungsforschung (ipb, TU Berlin) und des Instituts für Demokratieforschung Göttingen haben im Mai 2015 mit weiteren Teilnehmer_innen des Kolloquiums “Politik von unten” diese Probleme und mögliche Lösungsansätze bzw. methodische Alternativen diskutiert. 

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