Projekttitel

Proteste und gesellschaftlicher Zusammenhalt: Lokale Konfliktdynamiken im Vergleich

Beteiligte Institutionen

Universität Bielefeld, Universität Bremen, Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt | Projektwebseite

Finanzierung

BMBF

Laufzeit

06/2020-05/2024

Beteiligte Wissenschaftler*innen

Prof. Dr. Priska Daphi, Prof. Dr. Sebastian Haunss

Zusammenfassung

Gesellschaftlicher Zusammenhalt in demokratischen Gesellschaften hängt zentral davon ab, wie Interessen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen Gehör und Eingang finden können in öffentliche Debatten und politischen Entscheidungen. Konflikte können gesellschaftlichen Zusammenhalt sowohl gefährden als auch stärken. Dies gilt auch für Proteste, eine prominente Form, in der gesellschaftliche Konflikte offen zu Tage treten. Proteste können sowohl als Indikatoren gesellschaftlicher Spaltung verstanden werden, sie bieten aber auch die Möglichkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, indem sie Konflikte artikulieren und damit sichtbar und bearbeitbar machen. Hier kommt es insbesondere darauf an, welche Themen in welcher Weise bearbeitet werden und in welcher Weise sich die Austauschbeziehungen zwischen Protestakteur*innen und anderen gesellschaftlichen Akteur*innen aus Politik und Zivilgesellschaft gestalten.
Proteste sind eine Form politischer Partizipation, die sich spätestens seit den 1980er Jahren als fester Bestandteil der politischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland etabliert hat. Sie sind zugleich Ausdruck gesellschaftlicher Konflikte als auch Zeichen gelebter Demokratie. Auch wenn Proteste inzwischen zum politischen Alltag westlicher demokratischer Gesellschaften zählen, eignen sich aber nicht alle Themen für erfolgreiche Protestmobilisierungen und nicht alle Bevölkerungsgruppen greifen in gleichem Maße auf das Mittel des Protests zurück. Wir gehen daher im Projekt der Frage nach, welche Themen in Protesten in den letzten Jahren verstärkt aufgegriffen worden sind, welche Form diese Proteste aufweisen und wie sie sich auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt auswirken. Der Fokus liegt dabei sowohl auf der Erfassung verschiedener Protestaktivitäten in ihrer ganzen Breite als auch auf der tiefer­gehenden Analyse der Interaktionsbeziehungen zwischen Protest- und anderen gesellschaftlichen Akteur*innen auf lokaler Ebene.
Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt in vergleichenden Fallstudien die Struktur, Entwicklung und Interaktion von Protesten. Auf nationaler sowie, tiefergehender, auf lokaler Ebene wird erhoben, wie viele Personen zu welchen Themen in den letzten 20 Jahren in Deutschland protestiert haben. Ziel der Analyse ist es, zu erheben und zu erklären, wie und warum sich Protestdynamiken an verschiedenen Standorten gleichen oder unterscheiden und wie sie durch nationale Protestereignisse in unterschiedlicher Form geprägt wurden. Auf lokaler Ebene wird zudem vergleichend untersucht, wie sich die Proteste auf unterschiedliche Aspekte gesellschaftlichen Zusammenhalts vor Ort auswirken. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zum Verständnis des Beitrags von Protesten auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt vor Ort.
Das Projekt umfasst drei Analysedimensionen: Neben der Zusammenstellung eines nationalen Überblicks von Protestdynamiken anhand einer Protestereignisanalyse, sollen in einer vergleichenden Studie lokale Protestdynamiken in mittleren Großstädten (in den neuen und in den alten Bundesländern mit je ca.  300–600.000 Einwohner*innen) jeweils über einen Zeitraum von 20 Jahren untersucht werden. Der Ost-West-Vergleich dient dazu, zu untersuchen, inwieweit langfristige politische Traditionen und davon geprägte Rahmenbedingungen einen Einfluss auf aktuelle Protestdynamiken haben. Innerhalb der Lokalstudien werden zusätzlich zur lokalen Protestereignisanalyse jeweils eine Netzwerkanalyse mit dem Ziel der Erhebung von Austauschbeziehungen zwischen Protestakteur*innen und anderen politischen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen durchgeführt. Ziel dieses Teils der Untersuchung ist es, die Einbettung von Protestakteuren in weitere zivilgesellschaftliche Strukturen zu erfassen.

Das Projekt besteht aus zwei Teilprojekten an der Universität Bielefeld (BIE_F_06) und der Universität Bremen (BRE_F_04)

Stellenausschreibungen

Aktuell ist in beiden Teilprojekten jeweils eine PostDoc Stelle ausgeschrieben. Die Ausschreibungen sind hier zu finden:

Stellenausschreibung Universität Bielefeld (BIE_F_06)

Stellenausschreibung Universität Bremen (BRE_F_04)

Bewerbungsfrist ist für beide Stellen der 24. Juni 2020

Methoden

Protestereignisanalyse, Netzwerkanalyse