Der 'Tank Man' wurde zur Symbolfigur der chinesischen Demokratiebewegung. Das Video, in dem er am Tiananmen allein eine Panzerkolonne stoppte, ging um die Welt (Foto: Deborah Kelly).

 
 

Prodat

 

Projekttitel

Dokumentation und Analyse von Protestereignissen in der Bundesrepublik

Finanzierung

Deutsche Forschungsgemeinschaft und Wissenschaftszentrum Berlin

Laufzeit

1993-2007

Beteiligte Wissenschaftler_innen

Dieter Rucht und Simon Teune

Forschungsfragen

Das Projekt erstellt eine umfassende Datenbank und darauf basierende Analysen von Protesten in der Bundesrepublik ab dem Zeitraum von 1950 bis zur jüngsten Gegenwart (einschließlich der Proteste in der DDR bzw. den Neuen Bundesländern seit 1989). Derzeit liegt ein analysefähiger Datensatz für die Periode von 1950 bis einschließlich 2002 vor. Die Datenbank ist breit angelegt und soll nicht der Beantwortung einer einzelnen Forschungsfrage dienen, sondern für eine Vielzahl von Fragen genutzt werden können. Die Datenbank dient erstens Längs- und Querschnittsanalysen von Protestereignissen. Anhand von Zeitreihen über die Zu- und Abnahme von Protesten werden allgemeine Theorien und Hypothesen über Entstehung, zyklischen Verlauf und Entwicklungsdynamik von Protesten geprüft. Weiter werden Aussagen über die Verteilung von Protesten im Hinblick auf Inhalte, Formen, Dauer, sozialstrukturelle Merkmale von Trägergruppen, räumliche Verteilung usw. getroffen. Schließlich wird der Zusammenhang einzelner dieser Merkmale miteinander als auch ihre Korrelation mit externen Daten (z.B. Meinungsumfragen, Strukturdaten) untersucht, um Analysen der gesellschaftlichen Bedingungen und Folgen von Protesten durchzuführen.

Forschungsmethoden

Quantitative Inhaltsanalyse auf der Basis von Berichten der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau. Dateneingabe in Access. Anwendung einer Stichprobe, die sich auf alle Samstage und Sonntage sowie die Werktage jeder vierten Woche bezieht.

Zentrale Ergebnisse

  • hohe und im Zeitverlauf ansteigende Zahl von Protestereignissen, aber stark diskontinuierlicher Umfang der Mobilisierung
  • Zunahme des Anteils gewaltförmiger Proteste im Zeitverlauf
  • Verlagerung von formellen zu informellen Protestakteuren
  • zunehmende Themendifferenzierung
  • größere soziale Heterogenität der Protestteilnehmer.

Mehr Informationen und Download des Datensatzes auf der Projektseite des WZB

 
 
 
 
  • Zum Beispiel wurde jetzt bei den Protesten gegen G20 gesagt, diese Eskalation der Gewalt sei einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik. Da sage ich: Nun mal langsam. Wir hatten massive Ausschreitungen am 1. Mai in Berlin, wir hatten die ausländerfeindlichen Attacken in Rostock-Lichtenhagen, wir hatten den Terrorismus der 70er und 80er Jahre, wir hatten gewaltsame Konflikte in Brokdorf und anderswo. Ganz zu schweigen vom Ausmaß der Gewalt in anderen Ländern.

    die tageszeitung, 16.9.2017: „Ich lege auch die wunden Punkte einer Bewegung offen“

    Prof. Dr. Dieter Rucht, Vorsitzender des Vereins für Protest- und Bewegungsforschung
     
 

Anstehende Termine

  1. Politik von unten: Weltgesellschaft und Globalisierung sozialer Bewegungen

    30. Oktober, 18:00 - 19:30
  2. Politik von unten: Digitale Protestakteure

    13. November, 18:00 - 19:30
  3. ipb-Jahrestagung

    24. November, 10:00 - 25. November, 17:00