Projekt “Videoüberwachung von Demonstrationen” gestartet

 

Projekt: “Videoüberwachung von Versammlungen und Demonstrationen. Praxis und Wissensformen von Polizei und Protestierenden” (ViDemo) ist gestartet.

Seit Mai 2014 werden am Zentrum Technik und Gesellschaft der Technischen Universität Berlin (TU) die Auswirkungen von Videoüberwachungen auf Demonstrationen erforscht. Das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanzierte Projekt fragt in einem wissenssoziologischen Ansatz nach den Hintergründen und den Auswirkungen von Videoüberwachung von Versammlungen und Demonstrationen. Dabei interessieren drei Hauptebenen: erstens die Rationalität, Einsatzpraxis und Legitimierung von Videoüberwachung seitens der Polizei sowie die Auswirkungen auf Ermittlungsarbeit und Gerichtsverfahren sowie zweitens die Auswirkungen auf Versammlungen, Teilnehmer_innenverhalten, Protestneigung, Protestlegitimität, politische Teilhabe, Demokratieorientierungen und -verständnis von Demonstrierenden sowie langfristige Subjektbildung. Drittens werden zudem Polizeipraxis und die Umgangsweisen der Aktivist_innen in ihrer gegenseitigen Bezugnahme untersucht. Dabei geraten konkrete Interaktionen auf Demonstrationen sowie aufeinander bezogene taktische Adaptionen und möglicherweise ausgelöste Dynamiken einer Überwachungs-Gegenüberwachungs-Spirale in den Blick.

In einem grounded theory design werden verschiedene methodische Ansätze kombiniert. Gruppendiskussionen mit politischen Aktivist_innen/Fußballfans/Polizei und Ethnographien entsprechender Events werden durch Expert_inneninterviews und Dokumentenanalysen auf Seiten der Sicherheitsorgane und Gerichte sowie mit Schlüsselpersonen der von Überwachung betroffenen Gruppen ergänzt. Auf theoretischer Ebene ist die Studie neben der Protestforschung und Protest-Policing-Forschung auch ein Beitrag zu den surveillance studies und den umstrittenen Auswirkungen (post-)panoptischer Sozialkontrolle.

Die Projektleitung hat Dr. Dr. Peter Ullrich, darüber hinaus arbeitet Clemens Jakob Poldrack als studentische_r Mitarbeiter_in in dem Projekt mit.

 

Foto: Ausschnitt Christina Palitzsch via Umbruch-Bildarchiv

 

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  • Das Repertoire an anderen Protest- und Widerstandsmöglichkeiten ist bei Weitem noch nicht ausgereizt. Damit meine ich nicht nur fröhlich-freundliche Straßenproteste, sondern auch zivilen Ungehorsam. Sowohl in Qualität als auch in Quantität ist das Spektrum da noch nicht ausgeschöpft.

    die tageszeitung, 20.9.2021: „Gandhi war auch im Hungerstreik“

    ipb-Forscher Prof. Dr. Dieter Rucht, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
     
 

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