Seit mehr als einem halben Jahr ist FridaysForFuture aktiv und noch immer bestimmen die jugendlichen Protestierenden die mediale Agenda. Dabei sind die Schulstreiks kein Phänomen, das auf Deutschland oder Schweden – dem Heimatland Greta Thunbergs – beschränkt ist. Vielmehr liegt die Bedeutung dieser massenhaften Mobilisierung nicht zuletzt in ihrer Ausbreitung in ganz Europa und weit darüber hinaus. Wie ist dieser Erfolg zu erklären? Wer sind die Protestierenden? Was fordern sie?  Was denken sie über den Klimawandel und welche Lösungsansätze verfolgen sie?

Um mehr über die Demonstrierenden und ihre Motive zu erfahren, haben sich Forscher*innen des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung am 15. März 2019 an einer internationalen Befragung der Klimademonstrationen beteiligt. Von den neun beteiligten Ländern waren unsere Forscher*innen in dreien aktiv: in Österreich, Polen und Deutschland. Erste Ergebnisse der Befragungen in Bremen und Berlin wurden auf einer Pressekonferenz am 26. März vorgestellt (zur Medienberichterstattung). Eine ausführliche deutschsprachige Studie wird Mitte August der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Ergebnisse der Demonstrationsbefragungungen in insgesamt 13 verschiedenen europäischen Städten liegen nun in einer umfassenden, englischsprachigem Studie vor:

Wahlström, Mattias, Piotr Kocyba, Michiel De Vydt and Joost de Moor (Eds.) (2019). Protest for a future: Composition, mobilization and motives of the participants in Fridays For Future climate protests on 15 March, 2019 in 13 European cities. (Download, 2,91 MB). 

Wesentliche Ergebnisse des Ländervergleichs lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die Protestierenden in den neun untersuchten Ländern haben vieles gemeinsam. Fast überall gibt es eine ungewöhnlich starke junge, weibliche Mobilisierung und eine starke Beteiligung von ‘Protestneulingen’. Die Protestierenden haben in ganz Europa ein eher linkes Selbstverständnis und in allen Ländern sind insbesondere die demonstrierenden Schüler*innen zuversichtlich, dass der Klimawandel aufzuhalten ist.
  • Innerhalb dieser Gemeinsamkeiten gibt es eine große Bandbreite. So sind die Demonstrierenden in Amsterdam und Warschau wesentlich jünger als in Brüssel oder Malmö, wo sich auch ältere Menschen am Protest beteiligen.
  • Auffällig ist die teilweise grundsätzlich unterschiedliche Beurteilung der Lösungskompetenz von Markt, Regierung, Wissenschaft und der Bedeutung des individuellen Konsumverhaltens, die auf unterschiedliche Diskussionen innerhalb der nationalen Klimabewegungen hinweist.
  • Trotz vieler Gemeinsamkeiten ist FridaysForFuture in Europa wesentlich heterogener, als der gemeinsame Rahmen suggeriert.

 

Geschlechter der Befragten

Altersverteilung und Median (der Wert, der die Mitte aller vorkommenden Werte markiert)

Unterstützung bei Schüler*innen und Erwachsenen für die Aussage “Ich bin zuversichtlich, dass politische Entscheidungen den Klimawandel eindämmen können.” (“überwiegend” und voll und “ganz”)

 

Zum Kontakt für Presseanfragen geht es hier. Weitere Informationen zum Projekt und den beteiligten Wissenschaftler*innen des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung finden sich auf der Projektseite.

Photo: Jörg Farys / Fridays for Future @Flickr (CC BY 2.0).

 

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