Die G20-Proteste in Hamburg sind vorbei; die Diskussionen halten an. Neben der Positionierung linker Akteure in der notorischen Gewaltfrage und der Taktik des Schwarzen Blocks geraten dabei auch die Verantwortung der Politik und die Rolle der Polizei als Konfliktpartei immer stärker in den Fokus.

Für die Medien waren die ForscherInnen des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) in den letzten Tagen und Wochen begehrte GesprächspartnerInnen um über die Hintergründe aufzuklären. In einem Interview mit dem Freitag warnte Simon Teune angesichts der konfrontativen Haltung von Polizei und autonomer Szene bereits vor dem Gipfel am 30. Juni vor einer „Eskalation mit Ansage“.

Spätestens mit der Demonstration unter dem Motto ‚Welcome to Hell‘ war der Schwarze Block in aller Munde. In Interviews mit Zeit Online sowie  FAZ.NET am 7. Juli und der Süddeutschen Zeitung am 9. Juli werfen Sebastian Haunss und Simon Teune einen differenzierten Blick auf diese skandalisierte Aktionsform.

Matthias Quent sieht im Interview mit dem Nachrichtenportal thueringen24.de ein Problem mit gewaltbereiten Linken, warnt aber gleichzeitig vor Panikmache und populistischen Terrorismusvorwürfen. Nils Schuhmacher kritisiert in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau vom 14. Juli die mediale Homogenisierung der G20-Proteste; diese waren – wie die gesamte linke Szene – ausgesprochen vielfältig, die Krawalle zudem begleitet von Voyeuren und „Selfie-Narzissten“.

Peter Ullrich kommentiert im Faktenfinder der Tagesschau das Dilemma der Polizei und bilanziert am 11. Juli in einem Interview mit NTV: „Die Polizeiführung hat völlig versagt“, in dem sie versäumt habe die Eskalationsdynamiken zu durchbrechen. In diesem Sinne ist das Auftreten der Polizei ein „Rückfall in die 80er-Jahre“, so Peter Ullrich in einem Beitrag der Berliner Morgenpost vom 10. Juli.

Angesichts der unklaren Gemengelage, der vielen Gerüchte und Halbwahrheiten, die durch alle Parteien verbreitet werden und der politischen und medialen Überhitzung des Themas fordern Peter Ullrich bei NTV und Dieter Rucht unter anderem in einem Beitrag von Spiegel Online (12. Juli) eine unabhängige Untersuchungskommission; eine Forderung, die auch von Simon Teune in der Hamburger Morgenpost am 14. Juli aufgegriffen wird.

Bei aller Kritik an DemonstrantInnen und Polizei gerieten die Inhalte der Proteste aus dem Blick. Dabei bestätigte die Berichterstattung zu G20 die Ergebnisse der ipb-Studie „Zwischen Empathie und Aversion. Großdemonstrationen in der Medienberichterstattung“, die am 30. Juni vorgestellt wurde und frei zum Download zur Verfügung steht; u.a. der Tagesspiegel, der Deutschlandfunk und die Jungle World berichteten. Schon in einem NDR-Interview vom 4. Juli warnte Dieter Rucht: „Gewalt schadet dem Anliegen der Protestierenden“. Auch vor diesem Hintergrund beleuchtet ipb-Mitglied Donatella della Porta die langfristige Wirkung globalisierungskritischer Gipfelproteste in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 17. Juli.

Auch die Demonstration am 8. Juli (‚Grenzenlose Solidarität statt G20‘) wurde trotz der beachtlichen Größe von 50.000 bis 75.000 TeilnehmerInnen durch die Bilder der Gewalt der Vortage verdrängt. Mit unseren Demonstrationsbefragungen am 2. Juli und am 8. Juli wollen wir Erkenntnisse über Motive und Einstellungen der Demonstrierenden gewinnen und auch so zu einer differenzierten Debatte beitragen. Die Ergebnisse werden Mitte September auf unserer Webseite zur Verfügung gestellt.

 

Bild: Thorsten Schröder @ Flickr, Creative Commons 2.0

 

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