Foto: Erwan Corre (cc)

Öffentliche Podiumsdiskussion – Alltäglicher Ausnahmezustand: Polizei, Gewalt und Politik in Frankreich

 

Ort: Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin, Hardenbergstraße 16-18, Berlin-Charlottenburg

Zeit: 20. Mai 2017, 12-18 Uhr

Sprachen: französisch und deutsch, gedolmetscht von lingua.trans.fair

Im August 2016 verabschiedete die französische Regierung trotz Generalstreik und monatelanger Proteste im gesamten Land letztlich via Dekret die sogenannte loi travail, eine umfassende gesetzliche Arbeitsmarktreform. Zu dem vielseitigen Protestrepertoire der Gegner_innen des Gesetzes gehörten auch sogenannte émeutes oder riots, also massenhafte gewaltvolle Konfrontationen zwischen Protestierenden und der Polizei. Die Bedeutungen und Nachhaltigkeit der Proteste werden unter Aktivist_innen wie Wissenschaftler_innen durchaus kontrovers diskutiert. Festhalten lässt sich jedoch, dass dem Thema Polizeigewalt infolge der Ereignisse eine anhaltend hohe öffentliche Aufmerksamkeit zuteil geworden ist.

Auffällig wird vor diesem Hintergrund, dass es in den Banlieues, den Vorstädten größerer Metropolen in Frankreich, seit den 1980er Jahren immer wieder zu gewaltvollen Konfrontationen zwischen Bewohner_innen und der Polizei kommt, in deren Folge Menschen schwer verletzt werden oder zu Tode kommen. Dies hatte in der Vergangenheit jedoch kaum einen nennenswerten öffentlichen Nachklang zur Folge, es sei denn, es kam im Anschluss zu sogenannten émeutes. Zunehmend verschaffen sich Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus den Banlieues in der Öffentlichkeit Gehör.

In einer öffentlichen Diskussion im Rahmen der internationalen Konferenz “Riots. Violence as Politics?” fragen wir: was sind die Hintergründe dieser unterschiedlichen Verhandlung von Polizeigewalt bzw. Polizei und Gewalt? In welchem Verhältnis stehen das Agieren der Polizei in den Banlieues und ihr Vorgehen im Kontext von Nuit Débout? Wie ist massenhafte Gewalt in diesen beiden Kontexten als ein politisches Phänomen zu verstehen?

Diese Fragen an der Schnittstelle zwischen Aktivismus und Wissenschaft werden wir mit Gästen aus verschiedenen Pariser Vororten und Paris diskutieren:

  • Bernard Schmidt (Aktivist, Journalist, Jurist)
  • Marwan Mohammed (Soziologe, Centre Maurice Halbwachs, Paris)
  • Fatima Ouassak (Politologin, Autorin von „Discriminations Classe/Genre/Race“ (2015), Bagnolet, Département Seine-Saint-Denis)
  • Almamy Kanouté (Aktivist, Mitbegründer der Bewegegung „Émergence“, Fresnes, Département Valde-Marne)
  • Fabien Jobard (Politikwissenschaftler, Centre Marc Bloch, Berlin)

Das ganze Programm der Tagung findet sich hier.

Die Tagung entstand als Kooperation des AK Riots mit dem Zentrum Technik und Gesellschaft, dem Centre Marc Bloch und lingua.trans.fair. Finanziert wird die Tagung durch die Hans Böckler Stiftung und das Centre Marc Bloch.

Foto: Erwan Corre (cc)

 

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  • Das Repertoire an anderen Protest- und Widerstandsmöglichkeiten ist bei Weitem noch nicht ausgereizt. Damit meine ich nicht nur fröhlich-freundliche Straßenproteste, sondern auch zivilen Ungehorsam. Sowohl in Qualität als auch in Quantität ist das Spektrum da noch nicht ausgeschöpft.

    die tageszeitung, 20.9.2021: „Gandhi war auch im Hungerstreik“

    ipb-Forscher Prof. Dr. Dieter Rucht, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
     
 

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