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Der AK Umwelt und Protest auf der Konferenz ‘Cross-Movement Mobilizations’

 

Moving Boundaries – Building Bridges. The Remaking of the Environmental Movement?

In den vergangenen Jahren erleben wir eine Reihe neuer Entwicklungen in Umweltbewegungen auf lokaler, nationaler und transnationaler Ebene. Hierzu gehört neben neuen Vernetzungsprozessen und Handlungsformen auch eine zunehmende Verbindung unterschiedlichster Themenfelder, die vormals häufig getrennt diskutiert wurden, wie Klimawandel, Naturschutz, Wirtschaft, Landwirtschaft, Menschenrechte und Gesundheit. Zahlreiche Initiativen sind – gerade auf lokaler Ebene – neu entstanden.

Im Rahmen der „International Conference on Cross-Movement Mobilization“, die vom 5.-7.April an der Ruhr-Universität in Bochum stattgefunden hat, haben wir daher in zwei Panels die Gelegenheit genutzt, diese Entwicklungen einer genaueren Betrachtung zu unterziehen: Wann und wie kommt es zu neuen Vernetzungsprozessen sowie einer Verschiebung beziehungsweise Erweiterung der Diskurse und welche Herausforderungen stellen sich hierbei? Inwiefern sind neue Strategien und Handlungsformen beobachtbar? Was sind die Motivationen und Ziele gerade hinter neueren Projekten? Und schließlich, wie können wir – angesichts einer wachsenden Vielfalt und Komplexität der beobachteten Phänomene – die Charakteristika von Umwelt- und Klimabewegungen beschreiben?

Die Panelbeiträge zeigten die Vielfalt der diskursiven Entwicklungen. So entstehen gerade im Zusammenhang der Energiewende in Deutschland neue Konflikte auf lokaler Ebene zwischen Klimaschutz und Landschaftsschutz (Beitrag Bleta Arifi), während auf transnationaler Ebene sowie in zahlreichen lokalen Initiativen Fragen des Klimaschutzes zunehmend mit Diskursen globaler und sozialer Gerechtigkeit verbunden werden (Beitrag Romina Ranke). Bemerkenswert ist hierbei, dass auch Projekte, die stark auf der lokalen Ebene verwurzelt sind, ihr Handeln dennoch diskursiv explizit mit globalen Herausforderungen verknüpfen und sich als Teil einer transnationalen Bewegung verstehen. Hierzu zählen beispielsweise die Initiative Solawi (Beitrag Mundo Yang und Katrin Hedeman), lokale Transition Town-Gruppen (Beitrag Jana Bosse) und Initiativen, die sich für einen nachhaltigeren und faireren Konsum (Beitrag Francesca Colli) einsetzen.

Bemerkenswert ist, dass diese Initiativen wenig oder kaum in Proteste involviert sind, sondern zu anderen Handlungsformen greifen, sich aber gleichwohl als Teil von Umweltbewegungen verstehen. Eine Rolle spielen bei der Entscheidung für oder gegen konfrontative Handlungsformen, wie Anna Wiemann in ihrem Beitrag über die japanische Anti-Atomkraft-Bewegung gezeigt hat, auch kulturelle und nationale Rahmenbedingungen. Die Auseinandersetzung mit Handlungsformen jenseits des Protestes könnte – so unser Fazit – insofern interessant sein, da die Bewegungsforschung üblicherweise Proteste und Demonstrationen als zentrales Charakteristikum Sozialer Bewegungen annimmt, obgleich – wie sich im Rahmen unserer Panels gezeigt hat – das Spektrum der Aktivitäten jedoch sehr viel breiter ist.

 

Organisation der Panels und Autorinnen des Berichts: Jana Bosse und Romina Ranke

 

Das ISA RC47 Research Committee on Social Classes and Social Movements hat Videos der beiden Plenarsessions der Bochumer Konferenz zu “Theorizing Cross Movement Alliances” auf YouTube eingestellt.

 

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  • Das Repertoire an anderen Protest- und Widerstandsmöglichkeiten ist bei Weitem noch nicht ausgereizt. Damit meine ich nicht nur fröhlich-freundliche Straßenproteste, sondern auch zivilen Ungehorsam. Sowohl in Qualität als auch in Quantität ist das Spektrum da noch nicht ausgeschöpft.

    die tageszeitung, 20.9.2021: „Gandhi war auch im Hungerstreik“

    ipb-Forscher Prof. Dr. Dieter Rucht, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
     
 

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