Das ipb in den Medien

Heute hat sich vielleicht gezeigt: Das war eine Massendemonstration, wie wir sie als Frauendemonstration wirklich seit 1911 nicht mehr hatten. Das war vielleicht auch dem geschuldet, dass der Tag eben Feiertag war. Es war ein guter Auftakt, daraus wirklich was zu machen. Für mich ist wichtig: Hauptsache, es bleibt ein Frauenkampftag.

Deutschlandfunk Kultur, 09.03.2019:„Hauptsache, es bleibt ein Frauenkampftag“

Gisela Notz im Deutschlandfunk Kultur

Solche Figuren [wie Greta Thunberg] sind aus zwei Gründen wichtig: zum einen weil Medien eine große Rolle spielen, wenn es darum geht, wie über Proteste geredet wird und so ein Gesicht zu einer Forderung, da kann man den Hintergrund einer Protestbewegung erzählen. Das andere ist, dass so eine Figur auch zur Projektionsfläche wird für die Leute, die Veränderung wollen. Das funktioniert aber nur da, wo vorher schon ein Potenzial ist. Das heißt, einzelne Personen schaffen keine Protestbewegungen.

Deutschlandfunk Nova, 1.3.2019: Bewegungen brauchen keine Anführerin

Simon Teune bei Deutschlandfunk Nova

Auch Swen Hutter, Experte am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, findet bemerkenswert, dass die Schüler alles selbst auf die Beine stellen: “Es überrascht mich, wie schnell sie sich mobilisieren und wie viel öffentliche Aufmerksamkeit sie generieren. Das beobachten wir nicht oft bei Jugendprotestbewegungen.”

Süddeutsche Zeitung, 18.01.2019: Auf die Straße statt in die Schule

Swen Hutter in der SZ

Rucht sieht außerdem potentiellen Streit um die politische Ausrichtung der Gilet Jaunes: „Also sind wir eigentlich eine Bewegung eher der radikalen Rechten, sind wir eine Bewegung der radikalen Linken oder bewegen wir uns irgendwo in der Mitte oder ist alles zugleich der Fall? Und das beschreibt eigentlich den jetzigen Zustand.“

Deutschlandfunk, 17.02.2019: „In Deutschland wird deutlich mehr protestiert als in Frankreich“

Dieter Rucht im Deutschlandfunk

Man kann sich ja lustig machen über Aktivisten im Bienenkostüm, aber strategisch ist es sehr sinnvoll, verschiedene Formen der Ansprache zu finden. Die einen werden eben von solchen Aktionen angesprochen, Menschen mit einer anderen Motivation spricht man dagegen mit einer kalten Statistik oder einer düsteren Zukunftsprognose an. So hat man eben sehr unterschiedliche Möglichkeiten, die Menschen zum Unterschreiben zu mobilisieren.

Deutschlandfunk Kultur, 13.2.2019: Politik machen im Bienenkostüm

Simon Teune im Deutschlandfunk Kultur

Unklar sei nicht zuletzt, ob »Aufstehen« eine Parteigründung anstrebt. Einige Initiatoren dementieren dies, andere bringen die Möglichkeit ins Spiel oder schließen sie nicht aus. »Ich halte es für eine Option, dass ›Aufstehen‹ in eine Partei überführt wird, wenn es nicht gelingt, sich in der Linkspartei zu verankern«, meinte Rucht.

Neues Deutschland, 03.02.2019: Nachhilfe für »Aufstehen«

Dieter Rucht im Neuen Deutschland

Haunss zur Besonderheit von SchülerInnenprotesten: “Schülerinnen und Schüler sind wehrloser und ungeschützter als Erwachsene, wenn sie in der Öffentlichkeit auftreten. Gleichzeitig vermutet man bei ihnen zu Recht erst mal nicht, dass sie sich taktisch oder strategisch verhalten, sondern dass sie wirklich überzeugt sind von dem, was sie sagen. Deshalb bekommen sie auch mehr Aufmerksamkeit, als wenn die gleiche Art des Protestes von Erwachsenen gemacht würde.”

Deutsche Welle, 30.01.2019: Weltverbesserer zwischen den Fronten

Sebastian Haunss bei der Deutschen Welle

Wächst da eine neue Bewegung heran? “An sich ist das Format des Bildungsstreiks nicht neu“, sagt Jana Bosse vom Arbeitskreis Umwelt und Protest des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung in Berlin. […] Wie es in Deutschland mit dem Klimastreik weitergeht, hängt nach Bosses Einschätzung stark vom Ergebnis der Kohlekommission ab: “Gelingt es ihr, einen die Gesellschaft befriedenden Kompromiss zu finden, verliert der Protest vermutlich an Kraft.” Weltweit kann sie sich durch die internationale Vernetzung einiges an Dynamik vorstellen – aber, so Bosse, “in Deutschland ist der Klimaprotest der Schüler in erster Linie ein Protest gegen die Kohle.”

Klimafakten.de, 25.01.2019: “Warum sollen wir lernen für eine Zukunft, die es vielleicht gar nicht mehr gibt?”

Jana Bosse auf Klimafakten.de

Mit dem Projekt »Mapping #NoG20« haben Sie die Eskalation beim G-20-Gipfel intensiv untersucht. […] Wie lassen sich die Ergebnisse zusammenfassen?

“Eine Kernaussage ist: Unter den gegebenen Rahmenbedingungen, der Konfrontation bereits im Vorfeld, hat sich eine Eskalationsspirale entfaltet. Diese Zuspitzung war aber nicht zwangsläufig. Es ist nicht so, dass alle Beteiligten nur Opfer einer Entwicklung waren, die keiner mehr in der Hand hatte. Es sind viele Möglichkeiten, anders zu entscheiden, verschenkt oder schlichtweg negiert worden.”

Junge Welt, 14.01.2019: »Die Debatte war doch sehr holzschnittartig«

Peter Ullrich in der Jungen Welt

Haunss‘ Beobachtung: Zuvor hatten sich rechte Proteste oft an Jahrestagen orientiert, etwa dem Todestag von Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß in Wunsiedel oder in Dresden zur Erinnerung an die Bombardierung von 1945. Heute machen die Rechten schnell mobil. „Dass man so kurzfristig große Demonstrationen von rechts sieht, ist wirklich eine neuere Entwicklung.“

Saarbrücker Zeitung, 27.12.2018: Gibt es eine Renaissance der Demo?

Sebastian Haunss in der Saarbrücker Zeitung