Das ipb in den Medien

Man muss sich die Frage stellen: was heißt es, wenn zu polarisierenden Themen wie dem Nahostkonflikt oder Antisemitismus die Leute, die es am besten wissen, die am meisten Differenz in den öffentlichen Diskurs bringen könnten, und die auch verfassungsmäßig die Aufgabe haben, zu diesen Themen frei zu forschen und Tiefe in die Öffentliche Debatte zu bringen, wenn genau die sich zurückhalten?


rbb Radio3, 18.9.2025: Gefährdet Selbstzensur die Freiheit der Wissenschaft?

Jannis Grimm (FU Berlin)

„Ich kenne keine Kollegin, keinen Kollegen, die zu Themen mit Nahostbezug arbeiten, die nicht in irgendeiner Form betroffen sind – sei es durch Selbstbeschränkung, Hate-Mails, Einschüchterungen oder berufliche Nachteile“, sagt Grimm


Tagesspiegel, 16.9.2025: „Man fühlt sich bedroht und betreibt Selbstzensur“: Forschende sehen Wissenschaftsfreiheit zunehmend als „gefährdet“

Jannis Grimm (FU Berlin)

Sind aus der „letzten Generation“ also zwei völlig voneinander unabhängige Gruppierungen hervorgegangen? Protestforscherin Johanna Wahl beobachtet, dass die beiden Splittergruppen untereinander durchaus noch im Austausch stehen. Zudem gebe es regional große Unterschiede in der Entwicklung der Klimabewegung. Mancherorts wurde die lokale Gruppe der „Letzten Generation“ etwa komplett zum Widerstands-Kollektiv, in anderen Orten zur „Neuen Generation“.


BR24, 12.9.2025: Zurück zum Kleben: Wer sind die neuen Klimaaktivisten?

Johanna Wahl (Uni Oldenburg)

Viele bleiben auch lange dran, wenn Protest zur Identitätsfrage wird. Das bedeutet, wenn es nicht darum geht, ob ich jetzt erfolgreich bin oder nicht, sondern ich beteilige mich daran, weil das ein Teil von dem ist, was ich selbst bin: Ich bin ein Mensch, der solche Dinge macht, also tue ich das.


Wiener Zeitung, 12.9.2025: „Protest ist ein gesellschaftliches Grundrauschen“

Tareq Sydiq (Uni Marburg)

„Bereits in Vor-Internet-Zeiten gab es den Begriff der Meinungsführer“, sagt Medienexperte Armin Scholl vom Institut für Protestforschung. „Das waren Menschen, die innerhalb ihrer Community einen gewissen Einfluss hatten, weil sie besonders kommunikativ aktiv waren. Aber genauso funktioniert Öffentlichkeit. Es braucht Menschen, die vorangehen, die eine besondere Fähigkeit zur Vernetzung haben.“


die tageszeitung, 12.9.2025: Social Media In­flu­en­ce­r:in­nen. Ein Ticket Hoffnung

Armin Scholl (Uni Münster)

Künstlerische und kreative Protestformen können eine problematisierte Situation auf den Punkt bringen und ihr eine ästhetische Form geben.


die tageszeitung, 25.7.2025: Protest gegen die AfD: Laut und schön

Simon Teune (FU Berlin)

Das war ein Moment, in dem die Selbstdarstellung der AfD vor einem Millionenpublikum in Frage gestellt worden ist, eine Guerilla-Aktion, in der das Zentrum für politische Schönheit diese Medienaufmerksamkeit für die AfD gekapert hat und mit ihrem Kommentar versehen hat. Und es ist eine Plattform für den Corner-Chor aus Augsburg, der besteht aus FLINTA*-Leuten […], das sind genau die Gruppen, deren Lebenssituation bedroht wird durch die Politik der AfD.


rbb radio3, 22.7.2025: War die Störaktion beim ARD-Sommerinterview mit der AfD legitim?

Simon Teune (FU Berlin) und seine Katze

»Nirgendwo ist der Druck, sich für politisches Engagement zu rechtfertigen, so groß wie in ostdeutschen Städten und Dörfern«, sagt Soziologe Leistner, der selbst in einem Ort in der Nähe von Zwickau aufgewachsen ist. Es gebe hier »ein schiefes, historisch gewachsenes Verständnis von Neutralität«. Austausch und Streit bildeten das Fundament der Demokratie – aber zwischen Ostsee und Erzgebirge sähen das viele genau andersherum: Neutral ist demnach, wer sich nicht einmischt. Für die Demokratie ist diese Haltung pures Gift. »Die extreme Rechte plädiert für einen neutralen Staat und eine völkische Gesellschaftsform«, sagt der Forscher. Die Folgen seien dramatisch: »Wenn eine Mehrheit der Gesellschaft sich aus allem raushalten möchte, entsteht ein politisches Vakuum, in dem sich Rechtsextreme ausbreiten können.«


Spiegel Online, 13.7.2025: Bedrohte Zivilgesellschaft in Ostdeutschland: Rechts gegen Omas

Alexander Leistner (Uni Leipzig)

Das Besondere ist die ungewöhnliche soziale Durchmischung. So kann es zu Situationen kommen, in denen queere, auch jüdische Menschen neben Menschen mit Hisbollah-Sympathien laufen. Eine Erkenntnis aus unseren Gesprächen ist, dass das drastische Vorgehen der Polizei bei den Kundgebungen diese sehr heterogenen Gruppen zusammengeschweißt hat. Gemeinsame Gewalterfahrungen haben immer etwas Verbindendes.


Tagesspiegel, 11.7.2025: Protest-Forscher über Gaza-Demos: „Das Auftreten der Polizei ist alles andere als deeskalativ“

Jannis Grimm (FU Berlin)

Am Nakba-Tag war Arzt von 15 bis 19 Uhr am Südstern in Berlin Kreuzberg. „Die Kundgebung hat friedlich begonnen“, erinnert er sich. „Ich frage mich, ob dies nicht auch so geblieben wäre, wenn der Aufzug nicht verboten worden wäre und so stundenlang innerhalb einer Polizeiabsperrung demonstriert worden wäre.“


Sueddeutsche Zeitung, 11.7.2025: Propalästinensische Proteste. Was geschah mit Polizist 24111?

Clemens Arzt (HWR)