Der aktuelle Klimaprotest ist sehr plural und bindet viele gesellschaftliche Gruppen ein. Die Bewegung findet sich gerade neu. Sie experimentiert mit neuen Protestformen und Bündnissen, etwa mit Gewerkschaften. In Lützerath hat sie es geschafft, weltweite Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das ist ein Erfolg.
Neue Westfälische, 22.1.2023: Protestforscher über Lützerath: „Klimabewegung erfindet sich gerade neu“
Phillip Knopp (Uni Wien)
Straßenblockaden haben eine lange Tradition. Es gibt auch eine lange Geschichte der Zerstörung von Kunstwerken, wobei die Proteste der letzten Generation gerade nicht in der Tradition von Zerstörung von Kunstwerken stehen. Das haben sie ja sichergestellt, dass die Kunstwerke selbst keinen Schaden nehmen. Es geht darum über solche Aktionen in Frage zu stellen, was unsere Prioritäten sind.
ZDFheute, Terra X – die Wissens-Kolumne, 22.1.2023 : Wie radikal muss Klimaprotest sein?
Simon Teune (FU Berlin)
Zwar gebe es „viel Wut und viele Sorgen“, aber es existiere kein klares Feindbild aufseiten der Protestierenden, sagt der in Basel lehrende Soziologe Oliver Nachtwey. Die Regierung habe „sichtbar Bemühen gezeigt, mit dieser Situation umzugehen und die stärksten Notlagen einigermaßen abzufedern“. Das unterscheide die Ausgangslage für Sozialproteste etwa von der Zeit der Agenda 2010 in den Nullerjahren, als die Regierung als „unsozial, unnachgiebig und hart“ wahrgenommen worden sei, sagt Nachtwey.
die tageszeitung, 21.1.2023: Keine Welle von Sozialprotesten: Lauwarm, leicht bewölkt
Oliver Nachtwey (Uni Basel)
Nach Einschätzung des Protestforschers Jannis Grimm von der Freien Universität Berlin trifft der Vergleich etwa mit der US-Bürgerrechtsbewegung zu, was die Wahl der Mittel angeht. „Der Rechtsbruch ist symbolisch einkalkuliert”, sagt der Experte. „Es geht nicht primär darum, dass man genau die Leute trifft, die verantwortlich sind.” Vielmehr würden Szenen geschaffen, die die Klimadebatten befeuerten.
Nordkurier, 20.1.2023: Das Nerven der Letzten Generation hat Methode
Jannis Grimm (FU Berlin)
Der Protestforscher Jannis Grimm von der Freien Universität Berlin plädiert für ein differenziertes Bild. Auf die Klimapolitik hätten die Aktivisten keinen sichtbaren Einfluss gehabt, sagt Grimm. Doch hielten sie trotz Kriegs in der Ukraine, Energiekrise und Inflation die Klimakrise in den Medien. „Das ist natürlich ein wahnsinniger Erfolg.“
Tagesspiegel, 19.1.2023: Ein Jahr Straßenblockaden in Berlin : Wohin steuert die Letzte Generation?
Jannis Grimm (FU Berlin)
Oder, wie es der Protestforscher Daniel Mullis von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) sagt: Die Klimabewegung, die vor Lützerath eher koexistiert hat, ist weiter zusammengewachsen.
Zeit Online, 19.1.2023: Die neue Mitte
Daniel Mullis (HSFK)
Den Erfolg einer Bewegung zu bemessen, ist extrem schwierig. Die Antiakwtombewegung ist ein gutes Beispiel. Heute können wir sagen: die waren erfolgreich, Atomkraft wird wirklich abgeschafft. Unf für uns Protestforscher ist jetzt ganz schwer, zu sagen, was war denn jetzt der ausschlaggebende Punkt? … Wichtig ist, dass Bewegungen die Politik nicht umsetzen, sondern sie bereiten den Boden dafür das Meinungen sich verändern und politische Entscheidungen daraufhin getroffen werden.
hr engel fragt, 19.1.2023: Gesetze brechen fürs Klima?
Felix Anderl (Uni Marburg)
Die Bewegung [Die letzte Generation] mag radikal erscheinen, sagt Dieter Rucht. Aber „sie entspricht der Philosophie des zivilen Ungehorsams, da sie sich weigert, Personen anzugreifen, Sachschäden vermeiden will und eindeutig eine gewaltfreie Linie verfolgt, auch wenn ihre Aktionen Unordnung und Frustration verursachen“, fährt er fort.
Voxeurop, 17.1.2023: Die Aktivist*innen des Bündnisses „Letzte Generation“: Ein rettender Elektroschock?
Dieter Rucht (WZB)
„Es gibt weder einen Grund für eine Identitätsfeststellung noch für sonst irgendwas.“ Arzt ist Professor für Staats- und Verwaltungsrecht an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin. „Also wenn die Versammlung nicht verboten war, und das war sie vermutlich nicht, dann ist das grob rechtswidrig. Das ist polizeiliche Machtausübung und nicht rechtmäßiges Polizeihandeln.“
Deutschlandfunk Kultur, 16.1.2023: Ein Leben fürs Klima
Clemens Arzt (Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin)
Nach Ansicht des Protestforschers Sebastian Haunss ist noch nicht abschließend zu klären, welchen Erfolg die Demonstrationen hatten oder noch haben könnten. Doch die Proteste rund um Lützerath seien als mobilisierendes Signal an die Klimaschutzbewegung zu sehen, sagte Haunss im Deutschlandfunk
Deutschlandfunk, 15.1.2023: Soziale Bewegungen sind auf breite Unterstützung der Bevölkerung angewiesen
Sebastian Haunss (Universität Bremen)