Das ipb in den Medien

Hierin ortet Protestforscher Simon Teune das Neuartige am Protest der Letzten Generation. Deren Blockaden zielen weniger auf die logistische Bedeutung von Straßen ab und haben «kein definiertes Gegenüber,
sondern die Gesellschaft als Ganzes zum Ziel». Der Protestforscher spricht vom Versuch der «Visualisierung des Konflikts»: Es geht darum, emotional aufgeladene Bilder zu erzeugen, die den Konflikt zwischen
Status quo und Dringlichkeit der Krise sowie den Handlungsunwillen der Herrschenden verdeutlichen.


Augustin, 27.2.2023: Warum blockieren Menschen Straßen?

Simon Teune (FU Berlin)

„Schon im Herbst bei den Energieprotesten suggerierten Teile der extremen Rechten, man rufe gemeinsam mit der Linken den Wutwinter aus“, sagt Leistner. „Damals war das aber noch das Muster: die Querfront als asymmetrische Fantasie der extremen Rechten.“ Es habe eine klare Grenzziehung von links gegeben. Das habe sich in der Kommunikation zu dem „Aufstand für den Frieden“, organisiert von Schwarzer und Wagenknecht, deutlich geändert. Leistner hält das für problematisch. „Die Gefahr ist, dass sich ein Prozess verstärkt, der schon länger zu sehen ist: eine Normalisierung von extrem rechten Akteuren, die Anschluss suchen zu anderen politischen Milieus.“


Tagesspiegel, 25.2.2023: „Die Demonstration dürfte regen Zulauf von Rechtsextremen bekommen“

Alexander Leistner (Uni Leipzig)

[Alexander Leistner] sieht vor allem drei zentrale Akteure auf den Straßen. Da sei die „klassische Friedensbewegung“ der Ostermärsche, sagt Leistner. Diese habe seit Kriegsbeginn Mobilisierungsprobleme. Erfolgreicher sei jenes rechtsoffene Protestmilieu, das in den vergangenen Jahren auch die Corona-Pandemie oder die Energiekrise besetzt hat. Doch eine echte Protestwelle sei ihm nicht gelungen. Die zahlenmäßig größten Demonstrationen, sagt Leistner, hätten sich hingegen solidarisch mit der Ukraine gezeigt. Gerade kurz nach Kriegsbeginn hätten „Empörung und Betroffenheit“ insgesamt Hunderttausende mobilisiert.


tagesschau.de, 25.2.2022: „Sie haben Angst vor uns“

Alexander Leistner (Uni Leipzig)

Der Berliner Protestforscher Simon Teune sieht diesmal durchaus Chancen für die Querfrontler. Nach den Corona­protesten gebe es eine größere Masse aus Unzufriedenen und Verschwörungsanfälligen, welche die Politik und Medien ablehne, mobilisierbar sei und auch kein Problem mehr damit habe, mit Rechtsextremen gemeinsam auf die Straße zu gehen. „Das gab es 2014 in dieser Breite nicht“, so Teune zur taz. Sowohl damals als auch bei späteren Protesten wie gegen TTIP sei in der linken Szene und Linkspartei stets um eine Abgrenzung nach rechts außen gerungen worden. „Dass Wagenknecht und Schwarzer eine klare Abgrenzung explizit aufgegeben haben, ist ein Novum“, so Teune. „Rechtsextreme werden am Samstag ein integraler Bestandteil dieser Demonstration sein.“


die tageszeitung, 22.2.2023: Sehnsucht nach der Querfront

Simon Teune (FU Berlin)

Die Gewalt der Roten Armee Fraktion hat sich ja, nicht ausschließlich, aber doch im Wesentlichen, gegen die politische und wirtschaftliche Elite gerichtet. Und insofern fühlte sich diese Elite auch stärker durch diese Morde und Gewalttaten herausgefordert als durch – jetzt etwas zynisch formuliert – Gewalttaten gegen Asylsuchende und gegen die politische Linke.


SWR 2 Wissen, 17.2.2023: Rechtsterrorismus in Deutschland – von der Nachkriegszeit bis heute

Fabian Virchow (FH Düsseldorf)

Es gibt im digitalen Zeitalter Bewegungen, die ganz anders funktionieren als wir die eigentlich kennen aus vordigitalen Kontexten. … Das heißt, es gibt eigentlich weder Führungspersonen, die eine gewisse Vorgabe haben, noch gibt es Manifeste, denen man sich anschließt. Sondern man agiert aus dem Impuls heraus. Man agiert darüber hinaus, dass man Gemeinsamkeiten über Hashtags oder über gemeinsame Bilder findet, die dann aber auch super divers sein können. Das spielt das Meme als vergemeinschaftendes Element eine wichtige Rolle.


mdr medien360g, 10.2.2023: Memes als politische Kommunikation

Maik Fielitz (IDZ Jena)

Dass die Rentenpläne so viele Menschen auf die Straße bringen, liegt Becker zufolge auch an einer anderen Demonstrationskultur. „In Frankreich, in diesem zentralen Land, sagen die Leute, wenn irgendetwas nicht vernünftig läuft: „Der Staat funktioniert nicht, die da oben.“ Bei uns sagen die Leute: „Oh verdammt, was habe ich in meinem Leben falsch gemacht?““ Entsprechend gibt es in Frankreich zuhauf Forderungen, der Staat solle mehr Geld für die Rentenkasse aufwenden.


Zeit Online, 7.2.2023: Wieder Proteste gegen geplante Rentenreform in Frankreich

Johannes Maria Becker (Uni Marburg)

„Befragungen zu den jüngsten Klimastreiks zeigen eine gestiegene Frustration in der Bewegung, gerade unter jenen, die am aktivsten engagiert sind. Hier gibt es sicher ein Wegdriften von den Grünen.“ Eine „klare parteipolitische Alternative“ sehe er aber nicht.


Der Standard, 29.1.2023: Was die deutschen Grünen besser machen als Kogler und Co

Swen Hutter (WZB)

Wenn man in die Geschichte Sozialer Bewegungen zurück guckt, dann sind eben sehr viele Fortschritte, die Soziale Bewegungen erkämpft haben, sehr konfliktreich gewesen. Sie waren mit Leid und individuellen Opfern verbunden und das wird auch gerne verdrängt im Nachhinein. Also es ist noch nie so gewesen, dass sich Menschen beliebt gemacht haben, die Straßen blockiert haben, sondern es ist immer begleitet gewesen von sehr harschen Reaktionen und auch Gewalt gegenüber Aktivist*innen. Und das ist auch eine Entwicklung, die wir bei der Letzten Generation beobachtet haben.


rbb Kultur, 24.1.2023: Ein Jahr „Klimakleber“: Wie geht es weiter?

Simon Teune (FU Berlin)

Nur wenn sich „signifikante Teile“ des Machtapparats weigerten, Befehle auszuführen, könne ein autoritäres Regime stürzen.


Augsburger Allgemeine, 23.1.2023: Wie wahrscheinlich ist ein Machtwechsel im Kreml?

Jan Matti Dollbaum (Uni Bremen)