Die vielfältigen emotionalen Reaktionen auf die Aktionen der Letzten Generation zeigen, dass viele die Mittel des Protests kritisch sehen. Gleichzeitig ist es ja auch nicht so, dass vor den Protesten die öffentliche Stimmung gegenüber einschneidenden Klimaschutzmaßnahmen total positiv gewesen wäre. Man kann hier wie in einem Brennglas sehen, welche politischen Konflikte durch die Klimakrise ausgekämpft werden müssen – die Kritik an den Protesten der letzten Generation ist ein Teil dieser Aushandlungen.
Utopia.de, 28.4.2023: Letzte Generation: wor sind die ethischen Grenzen?
Lena Herbers (Uni Freiburg)
Es ist eine Herausforderung für die Friedensbewegung, denen, die ein Unbehagen etwa an Waffenlieferungen teilen, ein Deutungsangebot zu machen.
Süddeutsche Zeitung, 28.4.2023: Der Krieg und das Unbehagen
Larissa Meier (Uni Bielefeld)
Bei den allermeisten Anläufen, über Protest Veränderungen herbeizuführen, fällt man auf die Nase. Wir sprechen sehr viel über die Protestbewegungen, die erfolgreich sind und sehr wenig über die, die scheitern. Aber das ist eigentlich der Normalzustand, beziehungsweise dauert es sehr lange und es gibt sehr viele Phasen des Scheiterns bis es zu Erfolgen kommt in sozialen Bewegungen.
BR2, 27.4.2023: Demokratiefeindlich oder nicht? Eine kleine Geschichte der Sitzblockade
Simon Teune (FU Berlin)
Was wir derzeit beobachten können, ist eine im Entstehen begriffene politische Matrix des Anti-Linksliberalismus, in dem sich die Lager teilweise neu sortieren. Es ist erstaunlich, wie einig sich Konservative und Traditionslinke, Libertäre und ehemals Liberale sein können – und wie viel Zustimmung sie auf der Rechten finden.
Die Zeit, 27.4.2023: Würg! Die Linksliberalen sind das neue Feindbild im politischen Diskurs
Oliver Nachtwey (Uni Basel) mit Carolin Amlinger
The use of pain and intimidation shows the police have been emboldened by politicians who view protesters as enemies, says Herbers. In the fall, an officer was caught on video promising to cause „unimaginable pain,“ to a sitting demonstrator. „Police are also increasingly restricting the freedom of movement for protesters,“ said Herbers, referring to the violent tactics used to clear demonstrators from the village of Lützerath, which was being cleared to make way for coal mining, as well as the use of „kettling“ in cities.
Deutsche Welle, 26.4.2023: Germany: Viral video prompts debate on police brutality
Lena Herbers (Uni Freiburg)
Die Gefahren sieht Knopp vor allem darin, dass sich solche Konfrontationen ins kollektive Gedächtnis einbrennen, und es so zu einer Gegnerschaft in der Gesellschaft kommen könne, die ursprünglich überhaupt nicht da war. Knopp meint, dass es an der Polizei liege, sich jetzt zu überlegen, wie sie das Verhältnis mit der Klimabewegung in den Griff bekomme.
News.at, 26.4.2023: Klimaproteste: dürfen die das?
Philipp Knopp (Bertha von Suttner Uni)
In Frankreich sind Proteste weniger vorhersehbar als bei uns. Das liegt unter anderem an den Gewerkschaften, die viel radikaler agieren. Es gibt dort politische Richtungsgewerkschaften, zum Beispiel eine sozialdemokratisch orientierte, eine kommunistisch orientierte und sogar eine zuweilen trotzkistisch maoistisch agierende Gewerkschaft.
Frankfurter Rundschau, 26.4.2023: Null bis 123 Tage Streik
Johannes Maria Becker (Uni Marburg)
Es ist nicht nur eine Strategie. Diese Aktivist*innen, die fühlen diese Emotionen ernsthaft. Das hat für Leute, die sich damit nicht auseinandersetzen etwas Befremdliches, vielleicht auch etwas Religöses … Die Leute haben wirklich Existenzangst. Und das zeigt sich dann auch in der Form des Protestes.
3Sat Kulturzeit, 24.4.2023: Letzte Generation
Felix Anderl (Uni Marburg)
Die Menschen sind überfordert von der Klimakrise. Sie richten sich gegen die „Letzte Generation“, weil die Aktivistinnen und Aktivisten unsere Blockade sichtbar machen und auf die Straße tragen. Die „Letzte Generation“ ist nicht die erste Gruppe, die auf das Problem aufmerksam macht. Sie hat sich gerade deshalb entwickelt, weil andere Formen des Protests nicht dazu geführt haben, dass die Gesellschaft eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit der Klimakrise gefunden hat.
Märkische Allgemeine Zeitung, 24.4.2023: Unbefristeter Protest ist nicht möglich
Simon Teune (FU Berlin)
Protest muss teilweise auch spürbar sein. So kann man tatsächlich auch den öffentlichen Druck aufrecht erhalten.
RTL Aktuell, 24.4.2023: Sie wollten ganz Berlin lahmlegen
Piotr Kocyba (Uni Leipzig)