Das ipb in den Medien

Widerstand bezeichnet keine konkrete Handlung, sondern eine Haltung. Dass ich mich in Opposition setze zu einem System, das ich als ungerecht erlebe und das auch so geschlossen ist, dass ich es nicht aus dem System heraus verändern kann.


rbb Inforadio, 30.11.2025: Forum – Widerstand leisten

Simon Teune (FU Berlin)

Wir erleben Erosionsprozesse, in denen die Widerstandsfähigkeit der Demokratie geprüft wird. Sozialwissenschaften können da mehrere Rollen übernehmen. Erstens können sie Orientierungswissen liefern: Welche Konflikte gibt es? Wie sind sie strukturiert? Wer mobilisiert sie? Zweitens müssen wir enger mit Akteuren aus der Praxis zusammenarbeiten, also mit Zivilgesellschaft, Verwaltungen, manchmal auch Politik. Dann kann politische Soziologie auch sehr praktisch werden, zum Beispiel wenn es darum geht, wie sich demokratische Kräfte vor Ort organisieren können, wenn sie mit antidemokratischen Akteuren konfrontiert sind.


Tagesspiegel, 29.11.2025: Soziologe Swen Hutter im Interview: „Wenn man miteinander arbeitet, baut man Vertrauen auf“

Swen Hutter (FU Berlin/WZB)

Antifaschistische Gruppen […] waren nie Trittbrettfahrer, sondern Motor, oft sehr prägende Teile dieser Mobilisierungen. Sie sind damit auch Gruppen, die das Thema seit Jahrzehnten bearbeiten. […] Es gibt ja eine lange Tradition der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und zu dieser Auseinandersetzung gehört auch die Antifa.


hr 2, 26.11.2025: Wichtiger Protest oder militante Aktion – was ist die Antifa?

Nils Schuhmacher (Uni Hamburg)

Der Berliner Protestforscher Simon Teune sieht die Demokratie [angesichts der Untätigkeit in der Klimakrise] in einer Falle. So dürfen beispielsweise an den Wahlen in Deutschland im Wesentlichen nur Menschen teilnehmen, die auch im Land leben. Doch was die gewählten Volksvertreter dann entscheiden, wirke sich auch auf Menschen im Ausland aus sowie auf künftige Generationen – also Menschengruppen, die hierzulande aktuell nicht wählen können. „Das ist ein systemisches Problem“, sagte Teune


Potsdamer Neueste Nachrichten, 23.11.2025: Diskussion im Hans Otto Theater in Potsdam: Ist Kartoffelbrei auf Kunst wirklich Widerstand?

Simon Teune (FU Berlin)

Die Zivilgesellschaftsforscherin Christin Jänicke sieht in der „Antifa-Ost“ keine homogene Gruppe mit festen Strukturen. […] Der Begriff „Antifa-Ost“ sei eher als „geografischer Raum“ aufgemacht worden, da sich das Verfahren auf die Tatorte in Sachsen und Thüringen bezog, wo starke rechtsextreme Strukturen bestehen.


Evangelischer Pressedienst, 16.11.2025:  Forscherin: „Antifa-Ost“ ist keine strukturierte Gruppe

Christin Jänicke (WZB)

Wir machen die Beschäftigung mit dem Thema davon abhängig, wie mobilisierungsfähig die Klimabewegung ist und welche Formen des Protestes sie benutzt. Was dabei verloren geht, ist, dass wir es mit einem kolossalen Führungsversagen der Politik zu tun haben, die eigentlich die Richtung vorgeben müsste und die richtigen Rahmenbewegungen schaffen müsste. Wir machen ein paar hundert oder tausend ehrenamtlich engagierte dafür verantwortlich, wie es weitergeht mit der Klimapolitik. Es ist aber die Aufgabe der Politik und der wirtschaftlich Verantwortlichen und die Aufgabe von uns allen.


rbb Radio 3, 14.11.2025: Sind die Klimaproteste wieder kraftvoll?

Simon Teune (FU Berlin)

„Rechte Populisten rufen sich zu den wahren Vertretern des Volkes gegenüber einer korrupten politischen Kaste aus und beherrschen damit den Diskurs“, schreiben Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey in ihrem neuen Buch „Zerstörungslust“ und listen Ereignisse auf, bei denen auch in Deutschland Umsturzfantasien öffentlich propagiert wurden: bei manchen Kundgebungen von „Querdenkern“ während der Pandemie etwa, in den bizarren Plänen der Reichsbürger, bei den teils radikalisierten Bauernprotesten im vergangenen Jahr.


Rheinische Post, 12.11.2025: Die Lust an der Zerstörung der Ordnung

Oliver Nachtwey mit Carolin Amlinger (beide Uni Basel)

„Die Kombination aus hohem formalen Bildungsniveau und konservativen politischen Ansichten zeigt, dass der Unabhängigkeitsmarsch keine Manifestation ausgegrenzter oder sozial marginalisierter Menschen ist, sondern einer für dieses Milieu charakteristischen, gebildeten, national orientierten Mittelschicht“, sagt Piotr Kocyba. Als Motivation für die Teilnahme nannten die Befragten vor allem die Bekundung von Solidarität, ein moralisches Pflichtgefühl und das öffentliche Bekenntnis zu den eigenen Ansichten.


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.11.2025: Männlich, gebildet, rechts

Piotr Kocyba (Uni Leipzig)

Unsere Untersuchungen zeigen massive Unterschiede zwischen den Städten. Die extreme Zwangsanwendung durch die Polizei ist dabei ein Phänomen, das sich zwar nicht ausschließlich, aber doch zum größten Teil auf Berlin konzentriert. […] Wir haben bei den Großdemonstrationen in Berlin am 27. September […] eine Umfrage durchgeführt. Ein Großteil der Befragten gab an, Angst zu haben, bei Protesten in eine Polizeimaßnahme zu geraten. Diese Angst ist in einem demokratischen System ein Alarmsignal.


Der Freitag, 11.11.2025: Konfliktforscher zu Gaza-Demos: „Die Polizei geht in Neukölln definitiv härter vor“

Jannis Grimm (FU Berlin)

Menschen spüren, dass das liberale System nicht mehr zentrale Bedürfnisse erfüllt, und reagieren darauf mit einer Mischung aus Wut und Befreiungsdrang. Diese Energie ist häufig destruktiv, sie verkörpert aber auch das Bedürfnis nach einer neuen, in der Regel ethnonationalistischen Ordnung.


Frankfurter Rundschau, 6.11.2025: Soziologe Oliver Nachtwey: „Es gibt eine Lust, alles niederzubrennen“

Oliver Nachtwey (Uni Basel)