Das ipb in den Medien

„Aus der Protestforschung wissen wir, dass das am Anfang eine kluge Linie ist, um breit zu mobilisieren“, sagt Anderl. „Aber wenn es später keine Richtung bekommt und man nur sagt:,Alles ist scheiße’, kann jeder seine Themen hineinprojizieren.“ Langfristig, so der Protestforscher, könnte sich das rächen.


die tageszeitung, 16.1.2024: Scharf auf Billig-Solidarität

Felix Anderl (Uni Marburg)

Rund um ‚Ende Gelände‘ habe sich eine sehr breite Allianz zusammengetan und gezeigt, dass sie entschlossen ist, über Unterschiede hinweg gemeinsam zu mobilisieren. Es gebe mittlerweile einen großen Erfahrungsschatz in den verschiedenen Initiativen, dass das auch wieder gelingen kann. Dafür brauche es nur noch einen passenden Auslöser.


Tagesspiegel, 15.1.2024: Wo steht die Klimaschutzbewegung heute?

Felix Anderl (Uni Marburg)

Das konkrete Thema ist für Rechtsextreme erstmal zweitrangig. Es geht darum, dass bestimmte Themen als rechts wahrgenommen werden. [Dann] hat man einen Raumgewinn und es ist schwieriger, demokratische Positionen dagegen zu setzen.


ZDF heute, 15.1.2024: Rechtsextremismus-Vorwürfe: Werden die Bauern diskreditiert?

Maik Fielitz (IDZ Jena)

Es gibt eine enorme Unzufriedenheit in der Bauernschaft. Bauern sind hochgradig abhängig von Subventionen und da muss man sich nicht wundern, dass sie allergisch reagieren, wenn man diese Subventionen antastet.


Deutschlandfunk, 14.1.2024: Ist der Bauernprotest in dieser Form legitim?

Felix Anderl (Uni Marburg)

Mit der Boomergeneration gingen jetzt viele in den Ruhestand, die bei großen Protesten der Nachkriegszeit vorn dabei gewesen wären. Menschen mit politischen Biografien, die zu organisieren verstünden. Sie hatten Arbeitsgruppen gegründet, bei Anti-AKW-Gruppen mitgemischt oder in der Studentenbewegung (hieß in den 1960er Jahren so, Frauen waren eher mitgedacht). Heute nähmen sie dann das ein, was Rucht eine generalisierte politische Position nennt: prodemokratisch, eher links, oft bündnisorientiert.


die tageszeitung, 14.1.2024: Bunte Omas, schwarzer Block

Dieter Rucht (WZB)

Die Unzufriedenheit mit Veränderungen macht sich jetzt sehr an der Ampel-Politik fest. Letztlich wäre aber wohl jede Regierung in der Kritik, die die Klimaziele ernst nimmt und gleichzeitig sparen muss.


t-online, 11.1.2024: Unterstützung für Bauernproteste: „Die hohe Zustimmung wird abnehmen“

Julia Zilles (SOFI Göttingen)

In dieser Woche kommt sehr viel zusammen, was unmittelbare Auswirkungen auf das tägliche Leben haben. Insgesamt ist das aber nicht ein Zeichen, dass wir viel mehr Proteste haben als üblich. Wir haben schon lange ein hohes Niveau an Protesten, das heißt, dass viele Menschen und Gruppen dieses Mittel der demokratischen Beteiligung nutzen.


Deutschlandfunk Kultur, 9.1.2024: Protestforscher: Überwiegend positiver Blick auf Verkehrsblockaden

Sebastian Haunss (Uni Bremen)

Im Prinzip gehe umfassender Klimaschutz mit der Förderung der heimischen Landwirtschaft zusammen, sagt der Konfliktforscher Felix Anderl: „Dafür bräuchte es aber einen umfänglichen Systemwechsel.“ Und gerade vor dem hätten viele Landwirtinnen und Landwirte Angst. „Das ist auch begründet. Über Jahrzehnte wurden sie an die Billigpreispolitik gewöhnt und abhängig von Subventionen gemacht. Und wenn man die jetzt antastet, ohne anderweitig zu fördern, fürchten viele zu Recht um ihre Existenz.“


Deutschlandfunk, 8.1.2024: Warum die Bauern auf der Straße sind

Felix Anderl (Uni Marburg)

„Was legitim ist, wird immer wieder gesellschaftlich ausgehandelt. Generell kann man sagen, dass die Legitimität von Protest immer wieder an Grenzüberschreitungen festgemacht wird“, sagt Forscher Teune und macht deutlich, wie unterschiedlich diese Grenze bei jeweiligen Gruppen ausgelegt wird. „Vertreter*innen von AfD, Union und Freien Wählern haben sich unterstützend auch zu Blockadeaktionen von Bauern geäußert, während sie gleichzeitig Blockaden von Klimaaktivist*innen, die auf die Menschen ähnliche Effekte hatten, zurückgewiesen haben.“


merkur.de, 8.1.2024: Bauern und Letzte Generation – warum der Protest so unterschiedlich bewertet wird

Simon Teune (FU Berlin)

Meine Sorge ist nicht so sehr, dass es irgendwelche kleinen Gruppen gibt, die diese Proteste instrumentalisieren, sondern eher, dass es innerhalb der Gesellschaft und dementsprechend auch innerhalb der Bauern- und Bäuerinnenschaft eine Verschiebung nach rechts gibt. Das heißt nicht, dass das alles Rechtsextreme sind – dagegen wehren sich die Bauern auch zurecht. Das sollte man wirklich differenzieren. Was ich eher sorgenvoll betrachte, ist, was für eine Form von Diskurs da geführt wird. Der ist sehr polarisierend, es wird teilweise persönlich attackiert, es geht immer ums Ganze.


NDR Kultur, 8.1.2024: Bauernproteste: Konfliktforscher fürchtet Verschiebung nach rechts

Felix Anderl (Uni Marburg)