Das ipb in den Medien

Protest ist besonders dann erfolgreich, wenn es eine große öffentliche Aufmerksamkeit gab. Dafür braucht man auch die mediale Aufmerksamkeit. Und die erhält man nicht durch rein routinierte Aktionsrepertoires.


SWR2, 18.1.2024: Wird Protest in Deutschland zunehmend radikal?

Priska Daphi (Uni Bielefeld)

„Diese rechten Treffen finden sicher öfter statt und haben bisher weniger Aufmerksamkeit erregt“, erklärt Rucht. „Aber der Anlass hat eine Besorgnis befeuert, die bereits in den letzten Jahren gewachsen ist. Viele Leute standen der politischen Entwicklung hilflos gegenüber – das überträgt sich jetzt auf die Straße.“

„Oft braucht es einen Anlass, damit Leute ihr Bedürfnis nach Widerspruch, das sie schon länger in sich tragen, wirklich zum Ausdruck bringen“, erklärt Teune. „Es braucht erst eine Gelegenheit und auch das Gefühl, mit dem Widerspruch einen Unterschied machen zu können – und das kommt bei den aktuellen Protesten gerade zusammen.“


Redaktionsnetzwerk Deutschland, 17.1.2024: Neue Mobilisierung gegen Rechts: Was können die Proteste bewirken?

Dieter Rucht (WZB) und Simon Teune (FU Berlin)

„Aus der Protestforschung wissen wir, dass das am Anfang eine kluge Linie ist, um breit zu mobilisieren“, sagt Anderl. „Aber wenn es später keine Richtung bekommt und man nur sagt:,Alles ist scheiße’, kann jeder seine Themen hineinprojizieren.“ Langfristig, so der Protestforscher, könnte sich das rächen.


die tageszeitung, 16.1.2024: Scharf auf Billig-Solidarität

Felix Anderl (Uni Marburg)

Rund um ‚Ende Gelände‘ habe sich eine sehr breite Allianz zusammengetan und gezeigt, dass sie entschlossen ist, über Unterschiede hinweg gemeinsam zu mobilisieren. Es gebe mittlerweile einen großen Erfahrungsschatz in den verschiedenen Initiativen, dass das auch wieder gelingen kann. Dafür brauche es nur noch einen passenden Auslöser.


Tagesspiegel, 15.1.2024: Wo steht die Klimaschutzbewegung heute?

Felix Anderl (Uni Marburg)

Das konkrete Thema ist für Rechtsextreme erstmal zweitrangig. Es geht darum, dass bestimmte Themen als rechts wahrgenommen werden. [Dann] hat man einen Raumgewinn und es ist schwieriger, demokratische Positionen dagegen zu setzen.


ZDF heute, 15.1.2024: Rechtsextremismus-Vorwürfe: Werden die Bauern diskreditiert?

Maik Fielitz (IDZ Jena)

Es gibt eine enorme Unzufriedenheit in der Bauernschaft. Bauern sind hochgradig abhängig von Subventionen und da muss man sich nicht wundern, dass sie allergisch reagieren, wenn man diese Subventionen antastet.


Deutschlandfunk, 14.1.2024: Ist der Bauernprotest in dieser Form legitim?

Felix Anderl (Uni Marburg)

Mit der Boomergeneration gingen jetzt viele in den Ruhestand, die bei großen Protesten der Nachkriegszeit vorn dabei gewesen wären. Menschen mit politischen Biografien, die zu organisieren verstünden. Sie hatten Arbeitsgruppen gegründet, bei Anti-AKW-Gruppen mitgemischt oder in der Studentenbewegung (hieß in den 1960er Jahren so, Frauen waren eher mitgedacht). Heute nähmen sie dann das ein, was Rucht eine generalisierte politische Position nennt: prodemokratisch, eher links, oft bündnisorientiert.


die tageszeitung, 14.1.2024: Bunte Omas, schwarzer Block

Dieter Rucht (WZB)

Die Unzufriedenheit mit Veränderungen macht sich jetzt sehr an der Ampel-Politik fest. Letztlich wäre aber wohl jede Regierung in der Kritik, die die Klimaziele ernst nimmt und gleichzeitig sparen muss.


t-online, 11.1.2024: Unterstützung für Bauernproteste: „Die hohe Zustimmung wird abnehmen“

Julia Zilles (SOFI Göttingen)

In dieser Woche kommt sehr viel zusammen, was unmittelbare Auswirkungen auf das tägliche Leben haben. Insgesamt ist das aber nicht ein Zeichen, dass wir viel mehr Proteste haben als üblich. Wir haben schon lange ein hohes Niveau an Protesten, das heißt, dass viele Menschen und Gruppen dieses Mittel der demokratischen Beteiligung nutzen.


Deutschlandfunk Kultur, 9.1.2024: Protestforscher: Überwiegend positiver Blick auf Verkehrsblockaden

Sebastian Haunss (Uni Bremen)

Im Prinzip gehe umfassender Klimaschutz mit der Förderung der heimischen Landwirtschaft zusammen, sagt der Konfliktforscher Felix Anderl: „Dafür bräuchte es aber einen umfänglichen Systemwechsel.“ Und gerade vor dem hätten viele Landwirtinnen und Landwirte Angst. „Das ist auch begründet. Über Jahrzehnte wurden sie an die Billigpreispolitik gewöhnt und abhängig von Subventionen gemacht. Und wenn man die jetzt antastet, ohne anderweitig zu fördern, fürchten viele zu Recht um ihre Existenz.“


Deutschlandfunk, 8.1.2024: Warum die Bauern auf der Straße sind

Felix Anderl (Uni Marburg)