Simon Teune, Protestforscher an der Freien Universität Berlin, sagt […] die aktuellen Proteste hätten indes einen sichtbaren Effekt auf die gesellschaftliche Debatte: „Nicht die Themen der AfD stehen im Vordergrund, sondern die Gefahren, die von der Partei ausgehen.“
Handelsblatt, 22.1.2024: „Sorge vor einem Sturz der Republik“ bringt die Deutschen auf die Straße
Simon Teune (FU Berlin)
Es gibt mehr Proteste aufgrund mehrerer Faktoren: das gestiegene Bildungsniveau – die Leute können sich besser artikulieren, sie treten selbstbewusster auf. Protest hat auch sein Gesicht verändert. Er ist nicht mehr die Sache von Quertreibern, sondern eine ziemich normale Form der politischen Interessenvertretung. Und schließlich gibt es auch Defizite in der Politik. Die politik schafft mehr Anlässe zu protestieren.
rbb radio eins, 22.1.2024: Gibt es gerade mehr Protest als sonst?
Dieter Rucht (WZB)
Das war ein Ausbruch, eine Befreiung aus der Ohnmacht, der Passivität, dem Aufstieg der AfD immer weiter zuschauen zu müssen.
ARD Tagesthemen, 22.1.2024: Oliver Nachtwey, Sozialwissenschaftler Universität Basel, zu den Protesten gegen Rechtsextremismus
Oliver Nachtwey (Uni Basel)
Aus meiner Wahrnehmung hat auch sehr stark eine Peer-to-Peer-Mobilisierung stattgefunden. Personen haben auf der Arbeit Kolleg*innen angesprochen oder sie haben die Aufrufe über soziale Medien geteilt.
NDR Info, 21.1.2024: Protestforscherin: „Es ist ein Mehr-Generationen-Protest“
Nina Wienkoop
Die Normalisierung extrem rechter Ideologie ist eine leise, schleichende Unterwanderung. Die Leute, die davon betroffen sind, spüren diese sehr wohl – durch Anfeindungen, durch rassistische Übergriffe, durch Diskriminierung. Auch Menschen, die sich proaktiv demokratisch engagieren, erleben diese Bedrohungen. Aber das merkt nicht jeder in der Gesellschaft. Das Treffen in Potsdam hat einer breiten Gesellschaft diese Gefahr vor Augen geführt.
Spiegel Online, 20.1.2024: „Die Rechten werden strategisch überlegen, wie sie zurückschlagen“
Sabrina Zajak (DeZIM)
Eine wichtige Frage ist, wie man dort etwas tut, wo die AfD am stärksten und die demokratische Zivilgesellschaft besonders schwach und teilweise bedroht ist. Über die Stärke der AfD wird eben nicht in Leipzig oder Köln entschieden, sondern in den kleinstädtischen und ländlichen Regionen Ostdeutschlands. Da braucht es mittelfristig Initiativen, Spenden und Bestärkungen von Vereinen, Kirchen und Kultureinrichtungen.
Stern.de, 19.1.2024: Was bewirken Demos gegen die AfD?
Alexander Leistner (Uni Leipzig)
Für die einen sind die Demonstrationen wie ein Weckruf, um aus einer Art Schockstarre aufzuwachen. Für andere wirkt es wie ein Aufbruch, auf den man gewartet hat, weil viele schon lang Engagierte vielleicht auch ein Gefühl der Resignation hatten in den letzten Monaten.
dpa, 19.1.2024: Protestforscher: Anhaltende Dynamik bei den Protesten gegen rechts
Alexander Leistner (Uni Leipzig)
Es gibt einen großen Bedarf, diese Haltung sichtbar zu machen. Die Meldungen sind ja stark dominiert gewesen von einem Rechtsruck, von rechtsextremen Deutungsmustern. Und die Proteste zeigen jetzt, es gibt sehr viele Leute, die das anders sehen, die diese Entwicklung nicht haben wollen, die am Erhalt unserer Demokratie ein Interesse haben.
Zeit Online – Was jetzt?, 18.1.2024: Was bringen die Demos gegen den Rechtsruck?
Simon Teune (FU Berlin)
Protest ist besonders dann erfolgreich, wenn es eine große öffentliche Aufmerksamkeit gab. Dafür braucht man auch die mediale Aufmerksamkeit. Und die erhält man nicht durch rein routinierte Aktionsrepertoires.
SWR2, 18.1.2024: Wird Protest in Deutschland zunehmend radikal?
Priska Daphi (Uni Bielefeld)
„Diese rechten Treffen finden sicher öfter statt und haben bisher weniger Aufmerksamkeit erregt“, erklärt Rucht. „Aber der Anlass hat eine Besorgnis befeuert, die bereits in den letzten Jahren gewachsen ist. Viele Leute standen der politischen Entwicklung hilflos gegenüber – das überträgt sich jetzt auf die Straße.“
„Oft braucht es einen Anlass, damit Leute ihr Bedürfnis nach Widerspruch, das sie schon länger in sich tragen, wirklich zum Ausdruck bringen“, erklärt Teune. „Es braucht erst eine Gelegenheit und auch das Gefühl, mit dem Widerspruch einen Unterschied machen zu können – und das kommt bei den aktuellen Protesten gerade zusammen.“
Redaktionsnetzwerk Deutschland, 17.1.2024: Neue Mobilisierung gegen Rechts: Was können die Proteste bewirken?
Dieter Rucht (WZB) und Simon Teune (FU Berlin)