Während des Wahlkampfs wurde häufig eingewendet, dass die Massenmobilisierung der Kampagne nicht auf Dauer aufrechtzuerhalten sein werde. Zur Unterstützung Mamdanis hatten mehr als 100 000 Freiwillige an über drei Millionen Haustüren geklopft. Doch der Bürgermeister und seine Mitstreiter von den Democratic Socialists of America (DSA) hatten stets betont, dass die Massenmobilisierung notwendig bleiben werde, um die von Konzernen und Milliardären gekaperten Institutionen zur Verantwortung ziehen zu können. Das »Office of Mass Engagement« soll unterrepräsentierten Gruppen – also Menschen, denen Zeit, Geld oder die Beziehungen fehlen, um sich Gehör zu verschaffen – den Zugang zu den Institutionen erleichtern.
nd, 29.1.2026: Die ersten Wochen Mamdanis
Margit Mayer (FU Berlin)
Die Niederschlagung der Proteste im November 2019 galt bisher als Tiefpunkt im Umgang des Systems mit Protestierenden. Nun aber liegen die Todeszahlen um ein Vielfaches darüber. Schwer vorstellbar, wie der Staat hier zurückrudern und dauerhaft wieder mit weniger Gewalt herrschen soll. […] wenn die Islamische Republik noch Vertrauen außerhalb ihrer engsten Kreise genoss: Damit dürfte es endgültig vorbei sein.
Zeit Online, 26.1.2026: Jetzt bleibt den Herrschenden nur noch Gewalt
Tareq Sydiq (Uni Marburg)
Sehr häufig ist in den Interviews [mit den Menschen, die besonders destruktiv waren] herausgekommen, dass sie viele Verwundungen im Leben hatten, viele Blockaden gesehen haben: es geht nicht mehr weiter mit dem Aufstieg oder es geht nicht so voran mit der Gesellschaft. Wir haben das Nullsummendenken genannt. Das ist zentral um die Zerstörungslust zu erklären, dass sie so rechts geworden ist.
Falter Radio, 18.1.2026: Was tun gegen einen demokratischen Faschismus
Oliver Nachtwey (Uni Basel)
Viele Demonstrierende in Iran treten nicht vordergründig für ein bestimmtes politisches System an, sagt Sydiq, sondern für ein Thema: Umwelt, Frauenrechte, Wirtschaft. Sich auf einen Inhalt zu konzentrieren, könne Akteuren mehr Redefreiheit in Iran ermöglichen, weil ihr Protest keine Generalkritik am Regime darstelle.
Spiegel Online, 18.1.2026:Wer protestiert gegen das Regime? Ein Blick auf Irans Opposition
Tareq Sydiq (Uni Marburg)
Es hat überhaupt keinen Sinn, die Augen zu verschließen vor den Problemen der Welt. Davon verschwinden sie nicht. Im Gegenteil: Wenn wir nicht tätig werden, wenn wir nicht die Hoffnung haben, etwas zum Besseren verändern zu können, erst dann gibt es die Sicherheit, dass alles noch schlimmer wird. Wichtig ist, dass wir die Ohnmacht reflektieren, dass wir darüber reden. Natürlich sind wir ohnmächtig in ganz vielen Fragen. Aber dieses Eingeständnis kann den Blick darauf wenden, wo wir nicht ohnmächtig sind. Und daraus kann eine Energie entstehen, die auch gesellschaftlich die Weichen in eine andere Richtung stellt.
BR2, 16.1.2026: Demokratie als Aufgabe
Matthias Quent (HS Magdeburg-Stendal)
Grundsätzlich hält Teune es daher für möglich, dass sich auch aus dem rechtsextremen Spektrum noch Proteste formieren könnten – etwa dann, wenn sich das Thema vor den Landtagswahlen als politisch nützlich erweisen würde. Für Konservative sei jedoch Protest nicht das Mittel der Wahl, um politische Unzufriedenheit auszudrücken.
euronews, 13.1.2026: Nach Terror-Anschlag auf Berliner Stromnetz: Warum es keine Demos gab
Simon Teune (FU Berlin)
„Es kann also gut sein, dass Menschen zu Demos bezüglich beider Themen gegangen sind, um gegen den Bruch des Völkerrechts zu demonstrieren.“ Zudem gebe es Gemeinsamkeiten: „Sowohl die USA als auch Israel setzen das ‚Recht des Stärkeren‘ gewaltsam durch“, erklärt Anderl. „Das gibt durchaus Anlass zur transnationalen Mobilisierung.“
nau.ch, 11.1.2026: „Free Maduro“: Darum jubeln Palästina-Linke Venezuela-Diktator zu
Felix Anderl (Uni Marburg)
Auch in dieser Protestwelle haben wir es mit einem Sammelsurium an Themen zu tun. Die Akteure sind sich oft nicht unbedingt einig in ihren Forderungen oder darin, was eigentlich die Hauptforderungen sind. Daher sind die Aktionen ja auch so dezentral, es gibt keine zentrale Organisationsstruktur. Wir sehen Feministinnen, ethnische Minderheiten, Arbeiter oder auch Anhänger der Monarchie. In dem Moment, wo die Protestepisode losgeht, gehen die unterschiedlichen Gruppen für ihre Anliegen auf die Straße. Diesmal hat es eben mit wirtschaftlichen Forderungen begonnen.
Tagesspiegel, 10.1.2026: „Die Forderungen werden radikaler“: Können die Proteste im Iran zum Regimesturz führen?
Tareq Sydiq (Uni Marburg)
„Die Proteste sind immer wieder ein Stresstest für das System“, sagt der Politikwissenschaftler Tareq Sydiq von der Universität Marburg. Diese Momente zwängen das System inmitten einer politischen Krise zur Reaktion. Dabei könne die Staatsmacht Fehler machen, „die sich vielleicht akkumulieren und zu einem Regime Change oder Systemkollaps führen.“ Gleichzeitig erhalte der Staat die Gelegenheit, seine Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen.
dpa, 8.1.2026: Wut ohne Hoffnung – Neuer Stresstest für Irans Staatsmacht
Tareq Sydiq (Uni Marburg)
Auch in der radikalen Linken gebe es Kritik an solchen Aktionen, sagt Teune und spricht von „roten Linien“, die hier überschritten wurden. „Ein wesentlicher Punkt ist, dass solche militante Aktionen nicht Selbstzweck sein dürfen, sondern dass sie eine politische Botschaft vermitteln müssen.“ Etwa bei Blockaden von Castortransporten oder Sabotage an Atomanlagen sei deutlich, wogegen sich die Aktion richte.
Berliner Morgenpost, 7.1.2025: Soziologe zu Brandanschlag: Den Tätern gehe es „um den Schaden selbst“
Simon Teune (FU Berlin)