Der ipb-AK Poststrukturalistische Perspektiven arbeitet an der Realisierung eines Handbuchs zu poststrukturalistischen Perspektiven auf soziale Bewegungen. Ziel des Handbuches ist es, die Sichtbarkeit poststrukturalistischer Arbeiten zu erhöhen, einen strukturierten Überblick über das heterogene Feld poststrukturalistischer Bewegungsforschung zu erhalten, Ideen und Ansätze zu bündeln, in einen produktiven Austausch zu bringen und den Zugang beziehungsweise die Anwendung auf soziale Bewegungen zu erleichtern. Anhand von methodischen Fragen oder Berichten aus konkreten Forschungsprojekten soll ein Einblick in die Forschungspraxis ermöglich werden.

Hierfür ruft der AK mit dem nachfolgenden Call for Contributions nun alle Interessierten – auch Wissenschaftler*innen, die sich selbst nicht direkt in der Bewegungsforschung verorten (bspw. geographische, kultursoziologische, feministische oder postkoloniale Ansätze) – auf, sich mit eigenen Beiträgen an dem angestrebten systematischen Überblick über die Vielfalt poststrukturalistisch inspirierter Herangehensweise an das Themenfeld ‘soziale Bewegungen’ zu beteiligen. Wichtig ist den Herausgeber*innen, dass die Darstellung der eigenen poststrukturalistisch geprägten Forschungsperspektive anhand eines empirischen Fallbeispiels veranschaulicht werden sollte.

Das Handbuch wird von den Sprecher*innen des ipb-Arbeitskreises “Poststrukturalistische Perspektiven auf soziale Bewegungen” herausgegeben und beruht auf den Diskussion innerhalb des Arbeitskreises. Die Herausgeber*innen freuen sich über Abstracts (englischsprachige Beiträge sind ebenfalls willkommen) von circa 250 Wörtern (die Kontaktadressen für Abstracts und Rückfragen finden sich auf der Seite des AKs). Die Beitragsvorschläge sollten gemeinsam mit einer kurzen Darstellung der eigenen Person bis zum 19. Februar 2018  eingehen.

Call for Contributions
Handbuch Poststrukturalistische Perspektiven auf soziale Bewegungen

Ein wesentliches Grundmotiv poststrukturalistischer Ansätze ist die Skepsis gegenüber stabil und wohl geordnet erscheinenden sozialen Phänomenen. Poststrukturalistische Perspektiven, wie sie bspw. bei Foucault, Derrida, Laclau und Mouffe oder Butler zu finden sind, betonen demgegenüber, dass Phänomene des Bruchs, der Abweichung und der Vielfalt, sowie unerwartete Dynamiken konstitutiv für Gesellschaft sind und daher zentrale Ansatzpunkte für eine Analyse sozialer Phänomene sind. Gemeinsam ist diesen Ansätzen ihr Fokus auf die Konflikte und Aushandlungsprozesse, die der Erzeugung sozialer Wahrheiten und Bedeutung zugrunde liegen.
Für die Analyse sozialer Bewegungen ist diese Blickverschiebung zentral, denn erst durch diese poststrukturalistische Perspektive werden einige wichtige Aspekte des Untersuchungsgegenstandes „soziale Bewegungen” erfassbar, die mittels der etablierten Forschungsansätze in der Bewegungsforschung weitestgehend unterbestimmt bleiben. Zu diesen Aspekten gehören beispielsweise das Verständnis sozialer Bewegungen als Ausdruck gesamtgesellschaftlicher Dynamiken und die daraus folgende Notwendigkeit einer explizit gesellschaftstheoretisch angelegten Analyseperspektive, die komplexe Wechselbeziehung von sozialer Struktur und Subjekt und die daraus resultierende Negierung der Annahme von feststehenden und objektiv erfassbaren Identitäten, wie auch die zentrale Bedeutung von Macht für die Formierung von sozialen Bewegungen und ihren Subjekten. Daraus schließen wir, dass es immer einer engen Verbindung von Empirie und Theorie bedarf und die Forschungspraxis und die Methoden an diese veränderte Blickverschiebung angepasst werden müssen.  Dies impliziert auch die  Kenntlichmachung der eigenen Position als Forscher*in, die (Weiter-)Entwicklung  daran angepasster Forschungsmethoden und eine kritische Reflexion dieser.

Im deutschsprachigen wie im internationalen Raum arbeiten bereits zahlreiche Forscher*innen aus einer poststrukturalistischen Perspektive zu sozialen Bewegungen, Protest und Praktiken des Widerstands. Was jedoch eine poststrukturalistische Perspektive konkret bedeutet, welche Prämissen sie impliziert, auf welchen theoretischen Ansätzen sie aufbaut und wie diese empirisch angewendet werden, ist dabei immer noch ein weites, relativ unstrukturiertes und loses Feld.
Um die Sichtbarkeit poststrukturalistischer Arbeiten zu erhöhen, einen strukturierten Überblick über das heterogene Feld poststrukturalistischer Bewegungsforschung zu erhalten, Ideen und Ansätze zu bündeln und in einen produktiven Austausch zu bringen, wollen wir ein Handbuch Poststrukturalistische Bewegungsforschung veröffentlichen. Das Handbuch soll einerseits einen Überblick über die existierenden methodischen und theoretischen Ansätze geben. Andererseits soll es  im Sinne eines Werkzeugkastens die konkrete Herangehensweise des jeweiligen Ansatzes nachzeichnen und aus der Forschungspraxis berichten.

Die einzelnen Artikel sollten wie folgt aufgebaut sein: Zunächst sollten die theoretischen und epistemologischen Prämissen des verwendeten Ansatzes vorgestellt werden. In einem zweiten Schritt sollten darauf aufbauend die konkrete Forschungspraxis illustriert, etwaige Probleme der Operationalisierung identifiziert und mögliche Lösungsvorschläge diskutiert werden. Die Darstellung der eigenen poststrukturalistisch geprägten Forschungsperspektive sollte daher anhand eines empirischen Fallbeispiels veranschaulicht werden. Das Fallbeispiel muss dabei nicht eine soziale Bewegungen im engeren Sinne umfassen, sondern kann sich auch auf Proteste und andere Formen widerständiger Praktiken beziehen.
Zusätzlich suchen wir noch ein bis zwei Artikel, die das Feld verschiedener poststrukturalistischer Ansätze zur Erforschung sozialer Bewegungen auf einer breiteren Meta-Ebene systematisch aufarbeiten.

Wir rufen alle Interessierten auf, sich mit eigenen Beiträgen an dem angestrebten systematischen Überblick über die Vielfalt poststrukturalistisch inspirierter Herangehensweise an das Themenfeld ‘soziale Bewegungen’ zu beteiligen. Dies schließt explizit auch Wissenschaftler*innen ein, die sich selbst nicht direkt in der Bewegungsforschung verorten (bspw. geographische, kultursoziologische, feministische oder postkoloniale Ansätze).
Wir freuen uns auf Abstracts (englischsprachige Beiträge sind ebenfalls willkommen) von circa 250 Wörtern. Die Beitragsvorschläge sollten gemeinsam mit einer kurzen Darstellung der eigenen Person bis zum 19. Februar 2018 bei den Herausgeber*innen eingehen.

Das Handbuch wird von den Sprecher*innen des ipb-Arbeitskreises “Poststrukturalistische Perspektiven auf soziale Bewegungen” herausgegeben und beruht auf den Diskussion innerhalb des Arbeitskreises. Der AK ist Teil des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung und wurde im Sommer 2016 gegründet. Ziel des Arbeitskreises ist es, poststrukturalistische (und andere bisher unterrepräsentierte gesellschaftstheoretische) Ansätze in der Bewegungsforschung sichtbarer zu machen, mit diesen Ansätzen arbeitende Forscher*innen zu vernetzen und auf diesem Weg das Portfolio theoretischer und methodischer Ansätze innerhalb der Forschung zu sozialen Bewegungen zu erweitern. An einer Mitarbeit im AK interessierte Forscher*innen können sich gern unter den auf der AK-Seite genannten  Emailadressen melden.

 

Bild: mike @ Flickr, Creative Commons 2.0

 

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