Protest und soziale Bewegungen verstehen

Proteste sind allgegenwärtig – von der Bürgerinitiative gegen eine Umgehungsstraße zur Revolte in autoritären Regimen, von rechtsradikalen Aufmärschen zu mit Graffiti versehenen Wänden. Trotz der offensichtlichen Bedeutung von Protesten und sozialen Bewegungen für die Demokratie wissen wir nur wenig über ihre Dynamik. Wen treibt es zu Protesten auf die Straße, wer findet andere Formen des Widerstandes? Unter welchen Bedingungen sind Demokratiebewegungen erfolgreich und wann scheitern sie? Wenn die Menschen sich zunehmend digital vernetzen, wie wandelt sich die Rolle von politischen Organisationen? Welches Engagement schafft eine demokratische Kultur, welches fördert Diskriminierung?

Um solche und andere Fragen zu beantworten, bedarf es systematischer Analysen. Die sozialwissenschaftliche Forschung zu dem Thema im deutschsprachigen Raum ist aber episodisch und lückenhaft. Das Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) will diese Lücke füllen. Es ist ein Arbeitszusammenhang, in dem dauerhaft zu einer ‚Politik von unten‘ geforscht wird. Dabei bringt das ipb Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Europa und dem Rest der Welt zusammen, um sich auszutauschen und gemeinsam zu forschen.

 
 
  • Bei den allermeisten Demonstrationen in Deutschland seien weiße Jugendliche aus der akademisch geprägten, zumeist gehobenen Mittelschicht stärker vertreten als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Teunes Erklärung dafür: Dieses Milieu sieht Protest eher als erfolgversprechend an und hat Protest als politische Form der Einmischung gelernt. Problematisch wird das Übergewicht privilegierter Menschen bei Protestbewegungen laut Teune allerdings dann, wenn, wie er es ausdrückt, das eigene Verhalten Menschen ausschließt.

    Watson.de, 13.7.2020: Das Rassismus-Problem von Fridays for Future

    ipb-Vorstand Dr. Simon Teune, Technische Universität Berlin
     
 

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