Moderator*innen: Jun.-Prof. Dr. Sabrina Zajak (sabrina.zajak(at)rub.de), Melanie Kryst (melanie.kryst(at)gmx.de), Elena Domingo (dsjelena(at)googlemail.com)

Der AK beschäftigt sich mit dem Verhältnis von sozialen Bewegungen und dem Bereich Ökonomie und Arbeit. In unseren bisherigen Diskussionen standen dabei vor allem zwei Ebenen im Fokus:

Zum einen spielen soziale Bewegungen eine zunehmend wichtige Rolle in der (globalen) Regulation von abhängiger Erwerbsarbeit. So sind die mittlerweile ubiquitären Corporate Social Responsibility-Programme und freiwilligen Verhaltenskodizes von transnationalen Konzernen nicht zuletzt als Reaktion auf eine durch soziale Bewegungen hervor gerufene Legitimationskrise neoliberaler Arbeitsverhältnisse zu verstehen. Hier sind sowohl die klassische Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung als auch zivilgesellschaftliche Initiativen und Kampagnen angesprochen – vor allem solche, die auf neue Formen transnationaler Solidarität im Kontext globaler Wertschöpfungsketten zielen, etwa durch nachhaltigen und ethischen Konsum mithilfe von Siegeln und Zertifikaten. Gleichzeitig spielen Gewerkschaften und NGOs im Rahmen von Multi-Stakeholder-Initiativen eine zunehmend aktive Rolle bei der Formulierung und Überprüfung arbeitsrechtlicher Mindeststandards, die in diesen neuen Formen privater Arbeitsregulierung festgeschrieben werden. „Alte“ wie „neue“ soziale Bewegungen, deren analytische Trennung selbst problematisch wird, treten hier also als Akteure innerhalb einer Global Governance von Marktwirtschaft und Lohnarbeit auf, für deren Strategien, Praktiken, Diskurse, Identitäten und Wirkungen wir uns interessieren.

Zum anderen positionieren sich soziale Bewegungen im Kontext der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise aber auch explizit außerhalb dieses Zusammenhangs als Akteure einer alternativen Ökonomie jenseits des Kapitalismus – einer solidarischen Ökonomie, die gegenwärtig bereits mit den Arbeitsverhältnissen und Produktionsformen einer postkapitalistischen Zukunft experimentiert. Solche alternativen Ökonomien entstehen oft im Kontext tiefgreifender Krisenprozesse, etwa in Argentinien nach 2001 oder in südeuropäischen Ländern nach 2008, und stellen zunächst Formen kollektiver Krisenbewältigung dar. Sie zielen aber auch auf Vorstellungen vom guten Leben, stellen Wachstum und Profit in Frage und entwickeln neue Konzepte gesellschaftlicher Transformation. Soziale Bewegungen treten hier als Akteure auf, die neue Formen des Wirtschaftens und Arbeitens erproben, die über die bestehende Ordnung aus Markt und Staat hinaus weisen. Gleichzeitig sind solche Formen nicht immer grundsätzlich neu, wie der Blick auf die Geschichte der Genossenschaften und Kooperativen verrät. Wir interessieren uns für das transformatorische und emanzipatorische Potenzial alternativer Ökonomien, aber auch für ihre Widersprüche, Ambivalenzen und Grenzen.

Der AK ist methodisch wie theoretisch offen und soll sowohl lokale als auch national vergleichende und transnationale Forschungsperspektiven ansprechen.

Mailingliste – Movement economy

Aktivitäten

5. bis 8. April 2017:
Panel  „Transnational Cross-Movement Alliances, Coalition Power and New Global Politics of Labour” auf der internationalen Konferenz zu „Cross Movement Mobilization“ in Bochum. Ein Bericht erschien im ipb-Blog.

13.-14. Oktober 2016:
Workshop „Soziale Bewegungen, Kapitalismus und sozial-ökologische Wende“, Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.
Download: Tagungsbericht
Download: Tagungsprogramm

07. April 2016:
Kick-Off Meeting Arbeitskreis Soziale Bewegungen, Ökonomie und Arbeit, Hertie School of Governance, Berlin.
Gastvortrag Jürgen Grote: Passions versus interests. Social movements and trade unions
Download: Bericht Kick-Off Meeting