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Das ipb in den Medien

 
 
  • »60 bis 80 Prozent der Bürger wünschen sich zunächst eine stärkere Beteiligung«, sagte Professor Roland Roth von der Hochschule Magdeburg-Stendal. Das Modell der Bürgerkommune und des Bürgerhaushalts findet ihm zufolge in Brandenburg relativ häufig Anwendung. Roth warb für die Ressource bürgerschaftliches Engagement, denn »eine andere gibt es im ländlichen Raum gar nicht«. […] Zu bedenken wäre dabei, dass Mittel bereitstehen müssen, den auf diese Weise erzeugten Bürgerwillen auch umzusetzen. Dabei wäre zu berücksichtigen, dass Kommunalpolitiker, deren Spielraum ohnehin nicht sehr groß sei, sich durch Bürgerbeteiligung noch mehr eingeschränkt fühlen könnten.

    Neues Deutschland, 11.06.2018: Grenzen der direkten Demokratie

     

    ipb-Vorstand Prof. Dr. Roland Roth, Institut für Demokratische Entwicklung und Soziale Integration (DESI).
     
  • Antiabschiebeproteste waren in Österreich in der Vergangenheit durchaus erfolgreich in dem Sinne, dass sie Abschiebungen verhindern konnten. Dieser Erfolg hängt mit dem Fokus auf Einzelfälle zusammen. Die Mobilisierung für Einzelfälle erfolgt sowohl mit emotionalen Mitteln – Empathie, Wut, Ärger – als auch mit inhaltlichen Argumenten wie etwa, dass die Abzuschiebenden bereits eine erfolgreiche Integration absolviert hätten (gute Schulerfolge, Mitarbeit in Vereinen, sportliche Leistungen et cetera). Dieser Schwerpunkt auf die Verhinderung der Implementierung nimmt den Protesten den Charakter der Radikalität.

    Der Standard / Blog, 04.06.2018: Der Einzelfall mobilisiert: Proteste gegen Abschiebungen

    ipb-Mitglied Verena Stern, Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt am Main
     
  • Protestforscher Simon Teune von der TU Berlin hält diese Art von Training nicht für gefährlich. Es macht ja viel Sinn, die Leute auf diese Situationen vorzubereiten, sagt er. Sie dienten dazu, den Aktionskonsens bei Blockaden einzuüben: Man sei entschlossen, zu blockieren, aber wolle Eskalationen vermeiden. Große Teile der Öffentlichkeit differenzieren aber leider nicht zwischen verschiedenen Protestformen, sagte der Experte. Blockaden setzen sich gerade von der rituellen Konfrontation mit der Polizei ab.

    dpa, 26.05.2018: Linkes Blockade-Trainingslager vor AfD-Demo

    ipb-Forscher Dr. Simon Teune, Technische Universität Berlin
     
  • Mitte der fünfziger Jahre gilt die Autorität der Göttinger Achtzehn als unantastbar. Mit ihrem Protest erlebt die noch stark restaurativ und autoritätshörig geprägte junge Bundesrepublik den bis dato einmaligen Versuch einer Einmischung der Wissenschaft in die Politik. Dieter Rucht:

    “Da gibt es auch eine Aussage dazu in diesem Appell – wir sind ja eigentlich keine Politiker, wir wollen uns ja auch nicht so einmischen, aber wir haben eben Sorgen, die sich auf die Auswirkungen von Atomkraft beziehen. Und darauf sozusagen wurde der moralische Standpunkt geltend gemacht, verbunden mit dem Argument: nur ein Rat von außen, von der quasi neutralen Position aus formuliert.”

    Deutschlandfunk, Hintergrund,19.05.2018:  Appelle des 20. Jahrhunderts (1): Die Göttinger Erklärung 1957

    Deutschlandfunk, Hintergrund,20.05.2018:  Appelle des 20. Jahrhunderts (2):Protest gegen das Abtreibungsverbot 1971

    Deutschlandfunk, Hintergrund,21.05.2018:  Appelle des 20. Jahrhunderts (3):Die Grenzen des Wachstums 1972

    ipb-Vorstand Prof. Dr. Dieter Rucht,
     
  • Parteien haben über Jahrzehnte eine gewisse Arroganz zur Schau gestellt. Man hat das Grundgesetz so interpretiert, dass sie ein Monopol auf die Meinungsbildung und Entscheidungsfindung haben. Das ist nicht der Fall. […] Engagement in der Zivilgesellschaft ist auch politischen Engagement.

    RBB Abendschau, 14.05.2018: Parteien verlieren Mitglieder

     

    ipb-Mitglied PD Dr. Ansgar Klein, Forschungsjournal Soziale Bewegungen
     
  • Auch Deutschland ist vom Bewegungsfieber nicht verschont. So fordert AfD-Rechtsaußen Björn Höcke, dass die AfD “Bewegungspartei” bleiben müsse, also nicht nur in den Parlamenten, sondern auch auf der Straße präsent sein solle. Ob Österreich da vergleichbar ist? Der deutsche Politologe Teune hält das Konzept der neuen Bewegungen, wie sie etwa Kurz propagiert, für leicht durchschaubar: “Das ist nichts anderes als alter Wein in neuen Schläuchen.” Bewegung, so Teune, suggeriere, dass hier von unten etwas entstehe, dass sich – wie bei der Friedens-, Umwelt- oder Frauenbewegung – viele Gleichgesinnte zusammentun. Das, was andernorts als Bewegung verkauft werde, sei aber “ein bloß geringfügig verändertes Parteien projekt” und eher undemokratisch. 

    Der Standard, 12.05.2018: Wozu noch Parteien?

     

    ipb-Forscher Dr. Simon Teune, Technische Universität Berlin
     
  • Wir haben bei der alten Arbeiterbewegung immer die Vorstellung von Männern mit Kettenfett, die die Solidarität mit der Muttermilch aufgesogen hätten. Solidarität kommt aber nicht von selbst. Solidarität war immer ein Ergebnis von Kämpfen. Sie entsteht aus sozialen Konflikten und findet in ihnen statt. Das halte ich für einen wesentlichen Gedanken. Denn die Politik der letzten zwanzig Jahre war sehr stark auf Konsens ausgerichtet und hat versucht, soziale Konflikte unter den Teppich zu kehren. Alleine die Artikulation der Frage, was Solidarität ist und wie wir solidarisch sein wollen, ist ein erster Schritt dahin, dass die Gesellschaft sich wieder über sich selbst verständigt.

    Süddeutsche Zeitung, 8.5.2018: “Solidarität war immer das Ergebnis von Kämpfen”

    ipb-Mitglied Prof. Dr. Oliver Nachtwey, Universität Basel
     
  • Die angekündigte Demonstration linker Gruppen in Berlin am Vorabend des 1. Mai weckt Assoziationen an brennende Barrikaden. Doch Protestforscher Simon Teune rechnet mit viel Botschaft und wenig Krawall. “Wenn es eine ‘demonstrationsfreundliche’ Polizeibegleitung gibt und wenn auch auf Seiten der Demonstrierenden betont wird, dass es um politische Inhalte geht, kann auch eine eingefahrene Konfrontationskonstellation [wie in Berlin] aufgelöst werden

    WDR 5 Morgenecho, 30.04.2018: Linksautonome im Wandel?

     

     

    ipb-Vorstand Dr. Simon Teune, Technische Universität Berlin
     
  • Als Bezugspunkt über die Spektren hinweg dient ’68 zeitgenössischen Antikapitalisten bis heute, berichtet Protestforscherin Priska Daphi von Interviews mit „Blockupy“-Aktivisten. Die Chiffre stehe hier für die Geburtsstunde einer neuen linken Tradition, jenes neuen Politikverständnis jenseits der Institutionen. Der Allgemeinplatz, heute werde ja gar nicht mehr protestiert, stimme nicht. […] „Die Frauenbewegung war die erfolgreichste soziale Bewegung, die es überhaupt gegeben hat“, stellt auch Sozialwissenschaftlerin Gisela Notz im Gespräch mit Wilke und Historikerin Christina von Hodenberg fest. Wir müssen heute „aufpassen, dass das Rad der Zeit nicht zurückgedreht wird“.

    Frankfurter Rundschau, 30.04.2018: Von Träumen und Trümmern What’s left: Die Römerberggespräche fragen nach dem Erbe von ’68 – und ob man es bergen sollte.

    ipb-Forscherinnen Dr. Gisela Notz (freie Wissenschaftlerin) und Dr. Priska Daphi, Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt am Main
     
  • Hat also der einlullende Kapitalismus mit seinem Wahn der immer neuen Marken vollständig gesiegt, ist die Protestkultur, wie sie 1968 aufblühte, nun vertrocknet? Ganz und gar nicht, berichtete Priska Daphi vom Institut für Protest- und Bewegungsforschung. Sie legte dar, dass die Zahl der Protestereignisse in der Bundesrepublik seit den fünfziger Jahre stetig gestiegen ist.

    FAZ, 30.04.2018: Popmusik gegen die Strapazen der Dauerreflexion. Römerberggespräche im Schauspielhaus zum Thema „1968-2018. What is left?“

    ipb-Forscherin Dr. Priska Daphi, Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt am Main
     
  • In den Medien wird die junge Generation häufig als strebsam, pragmatisch und angepasst beschrieben, doch ist der Eindruck aus der Sinus Jugendstudie repräsentativ? Die Protestforscherin Dr. Priska Daphi von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung zeichnet ein differenzierteres Bild. Sie forscht seit Jahren zum Thema Rebellion – und beobachtet dazu verschiedenste Protestereignisse. Die Wissenschaftlerin ist Mitgründerin des Berliner Instituts für Protest- und Bewegungsforschung. Die Forscher befragen Demonstranten, analysieren soziale Bewegungen und versuchen aufzuzeigen, was eine Protestkultur ausmacht. Eine interessante Erkenntnis aus der Bestandsaufnahme der Protestforscher zeigt, die Zahl der Proteste pro Jahr schwanke zwar, eine generelle Abnahme von Protesten habe es in den vergangenen Jahrzehnten jedoch nicht gegeben, erklärt Priska Daphi.

    HR Info, Wissenswert, 22. 04.2018: 50 Jahre 68: Wozu brauchen wir Rebellen?

    ipb-Forscherin Dr. Priska Daphi, Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt am Main
     
  • Auch das Wiederaufleben von Kiezversammlungen ist für ihn so ein Signal. »Das sind Momente, wo ganz viel passieren kann, weil sich Menschen begegnen, die sonst weniger miteinander zu tun haben«, sagt Scheller. »Die Mietenbewegung gewinnt gerade an Kraft, weil sich verschiedene Stadtteilgruppen und autonome Aktivist*innen verstärkt zusammenschließen«, erklärt die Politologin Jenny Künkel, die ebenfalls ipb-Mitglied ist. Das breite Spektrum der Aktivisten – von linksradikal bis bürgerlich – bedroht aus David Schellers Sicht den Zusammenhalt der Mieterbewegung nicht, denn es sei eher ein Netzwerk als ein Bündnis.

    Neues Deutschland, 18.04.2018: Eine starke Mitte-links-Bewegung

    ipb-ForscherInnen Jenny Künkel und David Scheller, Goethe-Universität Frankfurt am Main / Fachhochschule Potsdam
     
  • The 2016 island protests have shown that potential challenges for Sissi’s rule not only stem from mass uprisings with hundreds of thousands of participants. As scholars have highlighted in the wake of the 2011 uprisings, there is significant power in “the subversion of the very images that the rulers have tried to project as evidence and instrument of their dominion.” The Tiran and Sanafir island controversy undermined the regime’s nationalist image. Egyptian authorities had seriously underestimated the emotional bond between the Egyptian people and their homeland, strengthened through fights against colonialism and military and diplomatic battles over Sinai with Israel.

    The Washington Post, 15.04.2018: Two years ago nationalism sparked massive protests in Egypt. Could it happen again?

    ipb-Forscher Jannis Grimm, Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies
     
  • Protestforscher sprechen sogar von einer Konjunktur des Marsches. Er funktioniere oft besser als eine klassische Demo. Das sagt auch Leslie Gauditz vom Institut für Protest- und Bewegungsforschung: “[Der „Marsch für Bewegungsfreiheit“] ist im Prinzip eine Gegentaktik gegen klassische politische Märsche, die vielleicht sogar bedrohlich wirken können. Es geht eigentlich darum zu zeigen, man ist friedliebend, man ist freundlich. Was sich als Taktik abzeichnet, ist der Versuch einer Umdeutung”

    mephisto 97.6, 13.04.2018: Zirkus ohne Grenzen

    ipb-Forscherin Leslie Gauditz, Socium, Universität Bremen
     
  • “As the management academic Fabian Frenzel shows in his thought-provoking book Slumming It, some observers have labelled these initiatives [of voluntary work] as mere “voluntourism”, and argued that they exist because NGOs have stepped in where governments have failed to act.

    Financial Times, 11.04.2018: What I learnt as a ‘voluntourist’

    ipb-Forscher Dr. Fabian Frenzel, University of Leicester
     
  • „Der Eindruck, dass es heute keinen oder kaum Protest gegen diese Missstände gibt, täuscht. Unsere Untersuchungen am Institut für Protest- und Bewegungsforschung etwa zeigen, dass Protestereignisse über die letzten Jahrzehnte eher zu- als abnehmen.“

    Süddeutsche Zeitung, 10.04.2018: Rührt Euch (in der Printversion erschienen am 11.04.2018 unter dem Titel “Informelle Gruppen spielen eine wichtigere Rolle”)

    ipb-Forscherin Dr. Priska Daphi, Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt am Main
     
  • Die  SWR2-Themenwoche „Die 68er“ beginnt mit einem Streifzug durch die Protestformen der Zivilgesellschaft bis heute. Was sie über die Protestierenden und deren Gegenspieler aussagen und wie sich Protest heute auf der Straße und im Netz aufbaut und auflöst, erklärt Dieter Rucht, Soziologe und Zeitzeuge. […]“Protest hat historische Errungenschaften erbracht, die wir heute für selbstverständlich erachten; der 8-Stunden-Tag, die Sozialgesetzgebung,  bürgerliche Freiheiten, Abwesenheit von Zensur, Frauenwahlrecht… All diese Errungenschaften wurden durch Proteste erkämpft und nicht einfach ‘von oben’ gewährt”

    SWR2 Tandem, 09.04.2018: Protestformen in der Zivilgesellschaft. Der Soziologe Dieter Rucht über Widerstand gestern und heute

    ipb-Vorstand Prof. Dr. Dieter Rucht, Institut für Protest- und Bewegungsforschung
     
  • Auch Wissenschaftler hatten auf die Mitverantwortung der Polizei an der Eskalation während des G20-Gipfels hingewiesen. “In der Protestwoche hat sich eine Gewaltspirale ereignet, an der verschiedene Akteure mitgedreht haben – gerade der Polizei muss man eine Teilverantwortung an dieser Zuspitzung geben“, sagte der Protestforscher Peter Ullrich dem »nd« in einer früheren Auswertung der Gipfeltage. “Viele Fälle von eindeutig unverhältnismäßigen Angriffen auf Demonstrierende, zufällige Menschenansammlungen und Journalisten sind dokumentiert – es ist eine unendlich lange Liste.”

    Neues Deutschland, 09.04.2018: Hamburgs Innensenator und Polizei verteidigen G20-Einsatz

    ipb-Forscher Dr. Dr. Peter Ullrich, TU Berlin
     
  • Sogenannte “Latschdemos” wie die traditionellen Ostermärsche wirkten inzwischen “ein bisschen angestaubt“, sagt der Bewegungsforscher Dieter Rucht vom Wissenschaftszentrum Berlin. “Viele der jungen Leute, die wollen sich selbst auch irgendwie betätigen, die wollen das Gesicht bunt bemalen, die wollen auch ein Stück feiern.” Oder sie organisieren Protest im Internet: “Man sitzt zuhause, ein Mausklick – und dann hat man was für das Gewissen getan.” Inwieweit dieser “Klicktivismus” traditionelle Protestformen ersetzen kann, ist Rucht zufolge allerdings umstritten: “Es gibt durchaus Diskussionen, auch unter den Organisatoren, unter den Aktivisten, dass dieser Klicktivismus im Grunde schädigend ist.”

    Deutschlandfunk Kultur, 03.04.2018: Ein Mausklick für das gute Gewissen

    ipb-Vorstand Prof. Dr. Dieter Rucht, Institut für Protest- und Bewegungsforschung
     
  • Der Soziologe Dieter Rucht vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung spürt dennoch einen “diffusen Unmut“. “Vor allem die Jüngeren sind unzufrieden mit dem jetzigen Klein-Klein der Politik. Es fehlen ihnen die Visionen.” Er möchte nicht mit einem hoffnungslosen Idealisten verwechselt werden, hält es aber sehr wohl für denkbar, dass die Mobilisierung wieder stärker wird. Mit Blick auf die jüngsten Großdemonstrationen in den USA sieht er die Möglichkeit, dass sich der Unmut zu einem grundsätzlichen politischen Engagement verstärkt. Ruchts frohe Osterbotschaft: “Das Potenzial wächst.”

    Süddeutsche Zeitung, 31.03.2018: Ostermarsch im Gänseschritt

    ipb-Vorstand Prof. Dr. Dieter Rucht, Institut für Protest- und Bewegungsforschung
     
  • Natürlich ist niemand gegen Frieden. Aber wenn man genauer hinschaut, kommt man schnell in die Bredouille, sich in komplizierten Konflikten positionieren zu müssen. Die erste Generation, die die Ostermärsche organisierte, hatte selbst noch Kriegserfahrung, da war die Parole „Nie wieder Krieg!“. In den 1980er Jahren stand im Kalten Krieg nicht weniger als die Auslöschung der Menschheit auf der Tagesordnung. Da war es leichter, Stellung zu beziehen. Heute ist die Konfliktlage viel diffuser. Wenn man zum Beispiel sagt: „Kein Krieg gegen Russland“, läuft man Gefahr, die russische Außenpolitik reinzuwaschen.

    die tageszeitung, 31.3.2018: “Friedenspolitik hat ihre Unschuld verloren”

    ipb-Forscher Dr. Simon Teune, Technische Universität Berlin
     
  • Ein wichtiger Punkt ist, dass Jugendliche moralisch sensibel sind. Über die Kluft zwischen dem, was da offiziell an hehren Werten verkündet wird, und dem, was real passiert, können sie sich sehr empören. Erwachsene sind da abgebrühter. Sie haben in der Tendenz schon fast ein zynisches Verhältnis zur Politik.

    ntv.de, 28.3.2018: “Die Jungen sind moralisch sensibler”

    ipb-Vorstand Prof. Dr. Dieter Rucht, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
     
  • Märsche hätten im Vergleich zu ortsfesten Demonstrationen ein besonderes Aktivierungspotenzial, sagt Protestforscher Haunss: “Sie haben ein starkes Mobilisierungselement, weil sie auf ein Ereignis hin fokussieren.” Es gebe eben diesen einen Marsch, bei dem man mitmachen kann – und er hat einen definierten Anfang und ein Ende. […]

    Während in den USA der Begriff “March” seit jeher tendenziell positiv besetzt ist, weil sie mit den Bürgerrechtsbewegungen der 60er- und 70er-Jahre verbunden werden, ist die Bewertung in Deutschland weniger einfach. Simon Teune, Forscher am Institut für Protest- und Bewegungsforschung, sagt, in Deutschland würden Märsche eher als “Auf-Märsche” von rechten Gruppierungen gesehen. Protestforscher Haunss von der Universität Bremen verweist dagegen auf die Ostermärsche – die seien klassischerweise links motiviert.

    Deutschlandfunk Nova, 26.03.2018:  Marsch ist die neue Demo

    ipb-Forscher PD Dr. Sebastian Haunss, Socium, Universität Bremen
     
  • Während andere Wissenschaftler in Archiven geforscht haben, hat der Politologe seine Beobachtungen vor Ort gemacht. Im Gespräch mit dem Greenpeace Magazin schildert Hertle seine Erinnerungen an die Proteste: „In der Friedensbewegung waren Kriegsdienstverweigerer, Lehrlinge und Studenten, aber auch Menschen, die auch schon den Ersten Weltkrieg erlebt hatten und dann nach den Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg gesagt haben: Jetzt ist Schluss!

    Greenpeace Magazin, 23.08.2018: Kommunisten, Christen und Hippies vereint – im Kampf gegen Atomwaffen

    ipb-Mitglied Wolfgang Hertle,
     
  • Die AfD hat ja auch viele Proteste mit organisiert und hat lange so getan, als hätte sie mit Pegida nichts zu tun – aber inhaltlich gab es da nie eine Trennungslinie zwischen den beiden. Es kann gut sein, dass viele Leute, die in dieser Welle auf die Straße gegangen sind, auch sagen: Wir haben jetzt die AfD gewählt, die übernimmt ab jetzt, und ich muss jetzt gar nicht mehr auf die Straße gehen.

    Deutschlandfunk Kultur, 21.3.2018: Hauptsache irgendwie bewegt?

    ipb-Vorstand Dr. Simon Teune, TU Berlin
     
  • [Die] Erfolge der sozialen Bewegungen zeigen auch, wie geschmeidig und anpassungsfähig unser Politik- und Wirtschaftssystem ist. Protest werde teilweise assimiliert und dadurch ungefährlich, so Dieter Rucht. Wenn Protest bestimmte Fehlentwicklungen innerhalb einer Gesellschaft benennt, kann die Politik diese korrigieren. Daraus gehe das Gesamtsystem gestärkt hervor.

    Greenpeace Magazin, 16.3.2018: Protest wirkt als Frühwarnsystem unserer Gesellschaft

    ipb-Vorstand Prof. Dr. Dieter Rucht, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung
     
  • Vielleicht finden die Studierenden und die Dienstleister in Zukunft wieder in Gewerkschaften zusammen. Viele Studierende, zum Beispiel Leute von der Occupy-Bewegung, gehen wieder in die Gewerkschaften und modernisieren sie von innen. Ich sage nicht, dass wir an der Schwelle zu einer neuen sozialen Bewegung stehen, aber die Menschen sind offener für Diskussionen. Schauen Sie nach Grossbritannien: Dort konnte ein alter, authentischer Linker wie Jeremy Corbyn die Jungen für die Labour Party mobilisieren.

    Tageswoche, 14.3.2018: «Ich bin Soziologe – aber auch Sozialist»: Oliver Nachtwey tritt Nachfolge von Ueli Mäder an

    ipb-Mitglied Prof. Dr. Oliver Nachtwey, Universität Basel
     
  • Ich bin total froh, dass der Begriff Frauenkampftag seit einigen Jahren wieder genutzt wird und die Frauen ihren Protest gegen die Ungerechtigkeit auf die Straße tragen. Denn der Rechtsruck in der Gesellschaft ist nicht nur in der AfD zu finden, sondern auch bei den selbsternannten “Lebensschützern” und anderen konservativen Kreisen. Dass dieser Protest auf die Straße getragen wird, ist sehr wichtig.

    ZDF heute, 08.03.2018: Kampf um Gleichstellung“Es gibt noch viel zu tun”

    Dr. Gisela Notz, ipb
     
  • Es hat [mit den Protesten gegen die Startbahn West] Lernprozesse gegeben. Die Polizei konzentriert sich heute viel stärker auf die Kommunikation mit Demonstranten. Sie sieht es stärker als ihre Aufgabe an, Bürgern ihr Demonstrationsrecht zu ermöglichen. In den 1970er Jahren hieß es bei Konflikten schneller „Knüppel raus“. Auch Verwaltungen haben dazu gelernt. Infrastrukturprojekte werden heute anders geplant. Ohne Beteiligungsprozesse sind sie nur schwer zu vermitteln. […] Die Einstellung zu militantem Protest [unter Protestierenden] hat sich verändert. Nach den Schüssen an der Startbahn und den Anschlägen der RAF wurden Attacken auf Polizisten vielfach diskutiert und in der Folge breit abgelehnt.

    Frankfurter Neue Presse, 28.2.2018: Darum ist der Startbahn-West-Protest eskaliert

    ipb-Forscher Dr. Simon Teune, TU Berlin
     
  • In previous elections, we didn’t see the disintegration of the centre-left we are seeing now, Della Porta continues, referring to the 2013 election which saw comedian Beppe Grillo’s M5S first emerge as a third force in Italian politics. In those elections, [the M5S] was the party that channelled discontent, including towards austerity policies imposed by the Monti government, supported by both the centre-left and centre-right. But it focused on environmental and ethical issues as opposed to issues of inequality and social justice like Podemos in Spain or Syriza in Greece.

    Al Jazeera, 28.02.2018: Power to the People: Left-wing party challenges ‘racist logic’

    ipb-Gründungsmitglied Prof. Dr. Donatella della Porta, Scuola Normale Superiore, Florenz
     
  • «Es gibt kein institutionelles Gedächtnis», sagt Teune. «Die mediale Berichterstattung ist meist sehr kurzatmig. Sie orientiert sich daran, wie an dem Ort Proteste normalerweise verlaufen. Über die gleichen Geschehnisse in Frankreich oder Griechenland wäre anders berichtet worden.» Unsere Vorstellung sei stark vom Zugang zu Informationen geprägt: So sei zwar die Anzahl verletzter Polizisten zugänglich, aber nicht, wie viele Demonstrantinnen verletzt worden sind. «Die Polizei macht in Bezug auf G20 sehr offensive Öffentlichkeitsarbeit. Durch die selektiven Informationen bestimmt sie das Bild, wie schlimm was war.»

    Die Wochenzeitung, 22.02.2018: Taucherbrille plus Böller gibt sechs Monate Haft

    ipb-Forscher Dr. Simon Teune, TU Berlin
     
  • Die Kritiker der Identitätspolitik denken in kommunizierenden Röhren, wenn sie fordern, wieder mehr auf die soziale Frage und weniger die Identitätspolitik zu setzen. Sie vergessen, dass die gesamte Geschichte linker Bewegungen, nicht zuletzt der frühen Arbeiterbewegung, sich um die Frage von Identität, Anerkennung, Autonomie und Würde – und ja, auch Stolz – drehte.

    Die Zeit, 04.02.2018: Die Linken: Für die vielen, nicht die wenigen

    ipb-Forscher Prof. Dr. Oliver Nachtwey, Universität Basel
     
  • Dass die Bewegung nach den Wahlen so schnell an Zulauf verlor, lag wohl auch an ihren diffusen Zielen. „Es fehlte eine Stoßrichtung, ein klarer Nenner“, erklärt Dieter Rucht. Forderungen nach „EU“, „Demokratie“ und „Frieden“ seien zwar sympathisch. Langfristig könne man damit aber kaum Unterstützer mobilisieren. „Im Grunde handelte es sich um harmlose Friede-Freude-Eierkuchen-Veranstaltungen mit viel Symbolik, aber keinen konkreten Forderungen und strategischen Überlegungen.“

    die tageszeitung, 23.01.2018: Aktivisten machen unbeirrt weiter

    Prof. Dr. Dieter Rucht, Institut für Protest- und Bewegungsforschung
     
  • Auch wenn das Projekt nicht verhindert wurde, hat der Protest die Diskussion in der Stadt und die Wahrnehmung des Projekts deutlich verändert. Die Proteste gegen Stuttgart 21 haben aber auch das Bewusstsein bei den Planenden und politisch Verantwortlichen verändert. Nach allem, was in Stuttgart passiert ist, spielt die Einbeziehung der Bevölkerung bei Infrastrukturprojekten eine größere Rolle. Dabei gibt es keine Garantie, dass das auch gut umgesetzt wird, aber es ist kaum zu vermitteln, dass die Betroffenen nicht gehört werden.

    Stuttgarter Zeitung, 14.01.2018: Die Gegenargumente gelten auch heute weiter

    ipb-Forscher Dr. Simon Teune, TU Berlin
     
  • „Es gab ein großes Vorbild, das hat sehr, sehr viele Leute beeindruckt. Das war die Situation in Italien, wo Mitte der 70er Jahre das öffentlich-rechtliche Rundfunkmonopol gekippt ist. Es gab aber keine neuen Gesetze. Das heißt, es war so eine Grauzone. Da sind ja hunderte bis tausende Radios entstanden. Und das wurde hier in der damaligen BRD sehr genau wahrgenommen. Da haben viele gesagt, das brauchen wir auch.“

    WDR 5 Neugier genügt – das Feature, 19.12.2017: Alice im Radioland
    ipb-Forscher Jan Bönkost, Universität Münster
     
  • Es gab in der Bundesrepublik und den meisten westlichen Ländern in den fünfziger und sechziger Jahren ein relativ geringes Verständnis für Protest […] Die Polizei hat damals bei kleinsten Ungehorsamkeiten oder kleinsten Regelübertretungen, über die heute hinweggesehen würde, sehr schnell mit aller Härte reagiert – deswegen nennt man diesen Stil Legalismus. Damals hat ein starkes Umdenken angefangen und der legalistische Stil hat sich gewandelt zu einem, den man pragmatischen Stil nennt. D. h. man hat eigentlich gelernt, dass man die eine oder andere kleine Regelübertretung – ein Transparent, was mal ein bisschen länger ist als zugelassen usw. – hinnehmen kann und damit ein zentrales Ziel erreicht: nämlich die Gesamtsituation zu befrieden, dafür zu sorgen, dass Demonstrationen weniger schnell eskalieren.

    Bayern 2 – Zündfunk Generator, 23.11.2017: Autoritäre Sicherheitskonzepte in postdemokratischen Zeiten

    ipb-Forscher Dr. Dr. Peter Ullrich, TU Berlin
     
  • „Bewegungen werden immer dann stark, wenn sie offensiv ihre Anliegen bündeln können und an einen Adressaten, das mag auch ein symbolisches Objekt sein, richten können. Bei Europa ist das eigentlich zu diffus. Man hat keinen konkreten Anknüpfungspunkt.“  […] Auch Rucht stellt aber fest: „Es ist ein sympathisches Anliegen.“ Allerdings gebe es auch Bewegungen, die an Umarmungen erstickten. „Die Politiker freuen sich darüber.“ So sei kein Zufall, dass „Pulse of Europe“ inzwischen mit Preisen regelrecht überhäuft werde. „Das ist aber auch ein Anzeichen dafür: es tut nicht weh, es ist harmlos und man kann es beklatschen.“

    Sächsische Zeitung / dpa, 18.11.2017: Ein Jahr Pulse of Europe

    Prof. Dr. Dieter Rucht, Institut für Protest- und Bewegungsforschung
     
  • In Polen haben wir es seit vielen Jahren mit einem extremen Graben zwischen den unterschiedlichen politischen Lagern zu tun, der auch durch die Gesellschaft geht, dieser Riss. Das führt teilweise zu einem Gefühl, dass nichts anderes mehr hilft außer die Extremform des Aufmerksammachens.

    Detektor.fm, 13.11.2017: Selbstverbrennung in Polen

    ipb-Forscher Dr. Piotr Kocyba, TU Chemnitz
     
  • Doch eine Studie des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (IPB) kommt nun zu dem Ergebnis: Die Teilnehmer_innen der unterschiedlichen Demonstrationen waren sich sowohl in ihren Zielen als auch in der Frage nach legitimen Protestformen weitestgehend einig. Für ihre Analyse befragten die Forscher insgesamt 1095 Personen, die sich den Demonstrationen zum Auftakt (»Protestwelle«) und zum Ende (»Grenzenlose Solidarität«) der Gipfelwoche angeschlossen hatten. In beiden Fällen seien die Proteste »wesentlich von protesterfahrenen Teilnehmenden geprägt« gewesen, die »sich eindeutig links verorten« ließen und »über einen hohen formalen Bildungsstatus« verfügen.

    Neues Deutschland, 08.11.2017: Geeint in der Kritik am Kapitalismus

    ipb-Forscher_innen-Team, Institut für Protest- und Bewegungsforschung
     
  • Gewalt ist einer der zentralen Nachrichtenfaktoren – sobald es dazu kommt, dominiert diese die Berichterstattung. Die Polizei genießt zudem traditionell einen sehr hohen Stellenwert in der Bevölkerung und auch in den Medien. In der Regel wird ihre Sicht der Dinge von Medien erst mal übernommen, wenn es nicht starke Hinweise darauf gibt, dass diese zu hinterfragen ist.

    Neues Deutschland, 24.10.2017: »Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen«. Der Sozialwissenschaftler Peter Ullrich im Interview über die schleppende Aufarbeitung der G20-Protesttage

    ipb-Forscher Dr. Dr. Peter Ullrich, TU Berlin
     
  • Die Parteien und das Parteiensystem werden assoziiert mit Verfestigung, mit Geschäftsordnungen, langweiligen Reden, Fraktionskämpfen, Kompromissfindung und so weiter. Das passt für viele nicht zum Wunsch nach Veränderung, Dynamik, Angriff, dem eine “Bewegung” zu entsprechen scheint. Mit dem Begriff meint man die Unzufriedenen besser einsammeln zu können.

    Süddeutsche Zeitung, 23.10.2017: Dynamisch, jung, on marche!

    Prof. Dr. Dieter Rucht, Institut für Protest- und Bewegungsforschung
     
  • In Hamburg ist auf der Strecke geblieben, dass gegen den G20-Gipfel die größte Demonstration seit Jahrzehnten auf der Straße war. Langfristig hat die Gewalt bei Gipfelprotesten auch einen Nebeneffekt, der das Gegenteil bewirkt. […] Sie hat die Gipfel zu Medienereignissen gemacht, zu denen sich Tausende Journalist*innen akkreditieren. Die Redaktionen geben diesen Ereignissen viel Platz, der auch mit hintergründigen Artikeln gefüllt wird. Das ist ein Grund, warum Globalisierungskritik zum Teil in den Mainstream gelangt ist.

    die tageszeitung, 4.10.2017: „Bei Protesten Handbremse anziehen“

    ipb-Forscher Dr. Simon Teune, TU Berlin
     
  • Zum Beispiel wurde jetzt bei den Protesten gegen G20 gesagt, diese Eskalation der Gewalt sei einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik. Da sage ich: Nun mal langsam. Wir hatten massive Ausschreitungen am 1. Mai in Berlin, wir hatten die ausländerfeindlichen Attacken in Rostock-Lichtenhagen, wir hatten den Terrorismus der 70er und 80er Jahre, wir hatten gewaltsame Konflikte in Brokdorf und anderswo. Ganz zu schweigen vom Ausmaß der Gewalt in anderen Ländern.

    die tageszeitung, 16.9.2017: „Ich lege auch die wunden Punkte einer Bewegung offen“

    Prof. Dr. Dieter Rucht, Vorsitzender des Vereins für Protest- und Bewegungsforschung
     
  • Dann gewöhnten sich die Menschen an Proteste. Die Gewalt nahm in der Tendenz ab, dafür zogen Demonstrationen und Kundgebungen auch wenig politische Menschen an. Selbst auf den ersten Blick unpolitische Vereinigungen wie Ärzteverbände oder Polizeigewerkschaften organisierten Proteste. Proteste wurden entspannter und ein akzeptables Mittel der Meinungsäußerung, sowohl für die Bevölkerung als auch für die Polizei, sagt Teune. Das nahm Protesten aber den Stachel. Um größere Aufmerksamkeit zu erzeugen, mussten sie kreativer werden und neue Ausdrucksformen finden.

    Zeit Online, 23.8.2017: Linker Protest – Zuhören bei Kaffee und Kuchen

     

    ipb-Forscher Dr. Simon Teune, TU Berlin
     
  • [Die Aufgabe der Protest- und Bewegungsforschung] ist es, den Gegenstand ernst zu nehmen. Nehmen wir erneut das Beispiel der Montagsmahnwachen. Da gab es eine heiße Debatte. Die einen sagten, das ist ein rechtsradikaler Antisemitenhaufen, die anderen sagten, das ist die neue Friedensbewegung, ein Hoffnungszeichen, das die Linke endlich wieder nach vorne bringt. Wir haben gesagt, wir schauen uns das mit unserer Erfahrung bei den Demonstrationsbefragungen genauer an. Wir konnten zeigen, dass die Bandbreite politischer Positionen von humanistischem, linkem Gedankengut und Neigungen zu rechtslastigen Verschwörungsdeutungen dort tatsächlich anzutreffen war. Es gab eine Gleichzeitigkeit von sehr unterschiedlichen Aspekten. [… ] Unserer Resultate unterschieden sich daher von der politischen Diskussion, bei der bestehende Deutungsschablonen dem Phänomen Montagsmahnwachen regelrecht aufgezwungen wurden, statt genau hinzusehen, wer da wie tickt. Eine Protest- und Bewegungsforschung, wie ich sie vertrete, dient der Aufklärung über soziale Prozesse.

    Junge Welt, 5.8.2017: »Der Protestforscher ist eher links bis linksliberal«. Gespräch mit Peter Ullrich. Über die Widrigkeiten im Wissenschaftsbetrieb und die Gefahren der Vereinnahmung der eigenen Forschungen durch den Staat

     

     

    ipb-Forscher Dr. Dr. Peter Ullrich, TU Berlin
     
  • Die Grundidee ist, durch Störung Unordnung zu schaffen, und damit die Gipfel-Inszenierung zu durchbrechen. Das hat zunächst mal noch nichts mit Gewalt zu tun. Da geht es zum Beispiel um Sitzblockaden oder um den Versuch, in Sperrzonen zu kommen. Die bezeichnet die eine Seite als Schutzzone für die Politiker, die andere Seite sieht sie als demokratiefreie Zone, weil dort das Versammlungsrecht nicht gilt. Was dann passiert, ist nicht Teil eines Plans. Es ist eine Eigendynamik, die sich entfaltet, ohne dass die Demonstranten darüber noch Kontrolle haben. Es gehören ja noch andere Akteure dazu, wie die Polizei und die Politik.

    Frankfurter Rundschau, 14.7.2017: Linke Gewalt hat abgenommen

    ipb-Forscher Nils Schuhmacher, Universität Hamburg
     
  • Während CDU und SPD sich streiten, plädiert der Berliner Sozialforscher Dieter Rucht für einen weniger aufgeregten Umgang mit dem Thema. Er fordert eine unabhängige Untersuchungskommission. “Man muss aus diesem Fall Hamburg Konsequenzen ziehen, aber nicht nur durch weitere Diskussionen ohne konkretes Ergebnis”, sagte der 71-Jährige.

    Spiegel Online, 12.7.2017: Protestforscher fordert unabhängige G20-Kommission

    Prof. Dr. Dieter Rucht, Vorsitzender des Vereins für Protest- und Bewegungsforschung
     
  • Mit der Auflösung der Protestcamps auf der Halbinsel Entenwerder und dem schnellen Eingreifen bei der “Welcome to hell”-Demonstration sei eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt worden. Soziologe Ullrich spricht von einer “Kriegslogik”. Diese sei bereits vor dem G20-Gipfel von einigen militanten Linksradikalen aufgebaut worden. Aber auch die Polizei habe im Vorfeld “Horrorszenarien” heraufbeschworen und später durch das eigene Eingreifen freigesetzt. “Das entspricht nicht einem modernen Verständnis von Versammlungsrecht”, sagt Peter Ullrich.

    Berliner Morgenpost, 10.7.2017: “Hamburg war ein Rückfall in die 80er-Jahre”

    ipb-Forscher Dr. Dr. Peter Ullrich, TU Berlin
     
  • Die Ausschreitungen in Hamburg kann man ohne die Vorgeschichte nicht verstehen. Die Polizei hat von Anfang an Signale ausgesendet, dass Proteste in Hamburg keinen Raum haben. […] Diese Vorgeschichte hat dazu geführt, dass die Leute, die die Polizei als Gegner sehen und ein Zeichen des Widerstands setzen wollen, angespitzt wurden.

    Süddeutsche Zeitung, 9.7.2017: “Die Strategie der Polizei ist kolossal gescheitert”

    ipb-Forscher Dr. Simon Teune, TU Berlin
     
  • Die Polizei ist auf der Straße, wo sich militanter linker Protest meist abspielt, der Repräsentant eines Staates, den Autonome und andere radikale Linke ablehnen. Daher kommt es auf Demos wie in Hamburg oft zu Zusammenstößen. Aber neben dem ideologisch motivierten Widerstand gibt es auch eine Lust am Konflikt. “Die Polizei ist der Lieblingsfeind der Autonomen, aber die Autonomen sind auch der Lieblingsfeind der Polizei”, sagt Sebastian Haunss. Es ist unklar, von wem die Eskalation bei der Welcome-to-Hell-Demo ausging.

    Zeit Online, 7.7.2017: Wer ist der schwarze Block?

    ipb-Forscher PD Dr. Sebastian Haunss, Socium, Universität Bremen
     
 
 

Anstehende Termine

  1. 3. Bundesweites Treffen des AK Stadt/Raum in Berlin

    24. Juni, 12:00 - 18:00
  2. Politik von unten: Feminismen in transnationaler Perspektive

    25. Juni, 18:00 - 19:30
  3. Workshop Politics from below

    9. Juli, 9:15 - 17:30
  4. Bottom Up Urbanism

    20. Juli, 16:00 - 18:00
  5. ipb-Jahrestagung: Der Kontext lokaler Proteste

    22. November, 10:00 - 23. November, 17:00
 
 
 

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