Mit der Zunahme der Asylantragszahlen in Deutschland seit 2008 haben auch die Proteste gegen die Unterbringungsbedingungen in Sammelunterkünften wieder zugenommen. Einer dieser Proteste ist Gegenstand dieses working paper. Vor einer Notunterkunft einer bundesdeutschen Großstadt haben Bewohner:innen ein Protestcamp aufgebaut, um auf die desolaten Unterbringungsbedingungen aufmerksam zu machen und um für deren Verbesserung einzutreten. Mittels qualitativer Leitfadeninterviews, informellen Gesprächen, teilnehmender Beobachtungen und einer Medien- und Dokumentenanalyse zeichnen die Autor:innen ein differenziertes Bild des Protests und dessen Kontext.
Der Schwerpunkt der Analyse liegt auf den Ausgangsbedingungen in der Unterkunft, der Formierung des Protestcamps und dessen Verlauf, den erhobenen Forderungen, relevanten Akteur:innen(konstellationen) und zentralen Erfolgen. Darauf aufbauend wurden protest-und partizipationshemmende sowie -fördernde Faktoren identifiziert. Die Analyse des Protestcamps macht nicht nur sichtbar, wie schwierig es für Flüchtende ist, sich für eine Verbesserung ihrer Situation einzusetzen. Sie gibt darüber hinaus auch Einblicke in die Unterbringungsbedingungen von Flüchtenden.
Salome Gunsch, Aryan Sehatkar Langroudi, Judith Vey (2021). Letzter Ausweg: Protestcamp. Zur Selbstorganisation von Flüchtenden vor einer Notunterkunft. ipb working paper, Berlin: Institut für Protest- und Bewegungsforschung
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Foto: „Hunger strike von Flüchtlingen“ von iStock/FooTToo erstellt (Stock-Fotografie-ID: 525357569).