Vom Strafrecht zur reproduktiven Gerechtigkeit?
Neue Wissensordnungen zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland

In den letzten Jahren lässt sich ein grundlegender Wandel im wissenschaftlichen Verständnis von Schwangerschaftsabbruch beobachten: weg von einer moralisch und juristisch aufgeladenen Problematisierung hin zu einer Auseinandersetzung, die Betroffene als handelnde Subjekte ernst nimmt. Während der politische Diskurs derzeit auf das Strafrecht verengt ist, entstehen in Wissenschaft, Aktivismus und kultureller Produktion Räume, in denen Schwangerschaftsabbruch als Teil gelebter reproduktiver Realität verstanden und öffentlich artikuliert werden kann. Gerade in dieser Spannung zwischen politischer Stagnation und epistemischem Wandel zeigt sich, dass gesellschaftlicher Fortschritt nicht allein durch Gesetzesänderungen, sondern durch die Verschiebung dessen entsteht, was als legitim, gerecht und sagbar gilt.